Zum Inhalt springen
Kletterschuhtest

Five Ten

Galileo

DauertestÜber Monate geklettert, mit Urteil zu Haltbarkeit

Five Ten Galileo

2.284 Wörter

Kletterschuhe Five Ten Galileo neues Modell im Test

_ Alte Qualität im neuen Look_

Die Geschichte

Den Galileo sah ich bereits früher bei Bekannten, würdigte aber diesen Kletterschuh auf Grund meiner Überzeugung das Five Ten unbequemer ist und sowieso nicht passt, nicht. Dazu kam das Design, das mich nicht wirklich ansprach. Verärgert über die schlechte Sohlenhaltbarkeit von Katana und Miura und der zunehmenden Betrachtung und Bewertung von Kletterschuhmodellen, anhand von ihrer Passform, wurde ich auf den Galileo aufmerksam. Ein Ausbilder im Trainer C Lehrergang erzählte uns, dass er mit ziemlich groß gewählten Galileo seine durch Fehlstellung gehandicapten Zehen entlasten konnte und so seine Kletterkarriere „rettete“. Dies war ihm möglich, weil der 5.10 Galileo über eine steife Sohle verfügt und er für die gleiche Performance größere, Zehen schonende Kletterschuhe tragen konnte. Die Recherche im Internet ergab, das Galileo etwas für schwere, breitfüßige Kletterer ist und durch Komfort in Mehrseillängen und Präzision punktet. Die Ferse sollte von ihrer Form zum Bouldern nicht optimal sein und Sohlenhaltbarkeit alles bis dato gewesene übertreffen.

„Ok“, dachte ich: „Wieder mal Hersteller Versprechen…“.

_Am Fels eine Macht

Nach einem kurzen „Experiment“ mit Anasazi VCS bekam ich Probleme mit dem großen Zeh des linken Fußes. Durch die symmetrische Form des VCS (die in meinen Augen mit der Form des Anasazi „Pinky“ überhaupt nichts zu tun hat) und das relativ starkes „Abdrängen“ des großen Zehs in die Hallux Vallgus Stellung schmerzte mein Grundgelenk selbst beim tragen von Straßenschuhen, die den Zehe auch nur minimal in die Richtung der kl. Zehen „schoben“. In dieser Zeit, dachte ich wieder intensiv über Alternativen zu den Zusammengeknüppelten Zehen und schon wurde Galileo wieder interessant. Seit nun einem 3/4 Jahr ist, der 2009 im anderen Design erschienene, Galileo jetzt in meinem Besitz und die Zeit scheint reif zu sein , um ein Urteil über diesen Kletterschuh zu fällen.

Optik, Verarbeitung

An der Optik hat sich nicht viel verändert. Auf der weißen Zehenbox ist seit 2009 ein rotes Five Ten Logo angebracht, der obere Velcro wurde mit einer roten Five Ten Aufschrift geschmückt. Die rote Farbe findet sich auch in der Naht der Einstiegsöffnung, sowie in den Einstiegschlaufen an der Ferse. Ansonsten hat sich am Schuh nichts geändert. Trotz dieser geringen Veränderungen, wirkt der Galileo auf mich schicker und attraktiver, die Kombi von Weiß, Schwarz und Rot finde ich wirklich ansehnlich. Ansonsten ist der Schuh ähnlich dem Moccasymauf das wesentliche beschränkt und wirkt sehr solide, qualitativ hochwertig. In meinen Augen sind die Five Ten Kletterschuhe der Anasazi Familie nicht so filigran gestaltet wie es die La Sportiva und Scarpas Modelle sind, dafür glänzen sie auf Grund von der Dicke der Materialien mit Langlebigkeit und sind nahezu „unzerstörbar“. Meine Galileo vermitteln eben diese „schwere Qualität“ und halten das was der Eindruck verspricht.

Konstruktion

Der Schuh basiert auf dem Leisten von Five Ten Anasazi VCS und stellte zu seiner Zeit mit seiner Ferse die „Weiterentwicklung“ des Klassikers dar. In der Realität wurde der VCS genommen, vorne vom Mittelfuß beginnend verbreitet und mit einer „schlankeren“ weniger unter Spannung stehenden Ferse, steiferen Sohle mit damals neuem Stealth Onyxx Ruber ausgestattet. Dass diese „** Weiterentwicklung**“ plötzlich vielen schmalfüßigenKletterern nicht passte und die Ferse sich, als das „eckige Luftballon“ entpuppte, sorgte für so manche Kritik. Auch die Onyxx Sohle stieß bei den Stealth C4 Anhängern nicht unbedingt auf euphorische Begeisterung. Das alles führte dazu, dass Galileo zur keiner Zeit den Status von Anasazi erreichte und nicht bei jedem deutschen Händler verfügbar war.

Deutlich schmaler und asymmetrischer ist Miura VS dennoch sehr komfortabel

Die Sohle ist wirklich steif – Im Neuzustand ähnelt sie der Steifigkeit eines Anasazi „Pinky“, an deren Neuauflage (Anasazi Lace Up Blanco) kommt sie jedoch von den Unterstützungsleistungen nicht heran. Die 4mm wirken wie immer beim Five Ten unglaublich dick und sehen auf den ersten Blick etwas klobig aus. Gleichzeitig vermittelt es  aber auch einen sehr soliden Eindruck. Die Stealth Onyxx Sohlen sollen sehr gute Haltbarkeit, bei Stealth C4 gleichen Reibungswerten aufweisen. Wenn ich solche Aussagen des Herstellers, mit dem eigenen optischen Eindruck der Sohlendicke verbinde, mündet es in der Überzeugung, dass die Schuhe ewig halten werden. Mal sehen.

Die als Weiterentwicklung angepriesene Fersenform, ist bereits bei erstem Reinschlüpfen schlicht weg enttäuschend. Das Volumen hat sich im Vergleich zum Anasazi VCS nicht geändert, die Gummierung scheint jedoch bessere Reibung zu bieten als der Vorgänger. Die Fersengummierung ist dabei vor allem Dingen eins: Massiv. Das bietet Stabilität. Der Slingshot Rand (Steinschleuder – Effekt: gemeint ist das Drücken der Ferse nach vorne, durch den gespannten Rand der Einstiegsöffnung)ist deutlich moderater, Die Ferse ist, nicht Richtung Zehen vorgespannt, sondern verläuft deutlich grader nach oben und soll für mehr Komfort und weniger Schmerzen auf dem Achillessehnenansatz sorgen.

Zwei wirklich sehr stabil und solide wirkender Klettverschlüsse werden in ordentlichen Metall Ösen umgelenkt und verschließen den Schuh. Die zweigeteilte dicke Zunge kommt so in der Mitte wieder zusammen und polstert den Fußrücken gegen den Druck der Velcros ab. Dieses Verschlusssystem vermittelt im Gegensatz zum Scarpa Booster einen sehr guten Eindruck und lässt auf lange Haltbarkeit und Funktionalität hoffen.

Passform

Gemütlich – mit Socken 🙂

Wie oben bereits erwähnt ist FiveTen Galileo kein Kletterschuh für schmale Füße. Menschen mit dem quadratischen_und „leicht“ griechischenFuß können mit dem Schuh glücklich werden. Mir persönlich passt die Form von Anasazi „Pinky“ sehr gut, mit der Form des Ansasazi VCS habe ich jedoch Probleme, da durch die für mich zu schmale und spitze Form der kleine Zeh unnötig leidet und der große Schmerzen im Zehgrundgelenk bekommt. Beim Galileo habe ich das Problem mit dem kleinen Zeh nicht mehr, _ die Hallux Vallgus Tendenz_weist dieses Modell jedoch genau so auf wie sein Verwandter.

Im Gegensatz zu Scarpa kann man bei Five Ten nicht von ergonomischen und anatomischen Passform sprechen. Der Leisten ist mehr auf kleine Tritte fokussiert, als auf menschliches Wohl, was zwar anfangs durch den Druck auf den aufgestellten Zehen, ziemlich weh tut, aber für die nötige Kraftübertragung beim Treten sorgt. Der Schuh ist jedoch mit Innenmaterial gepolstert, was bis zum gewissen Grad (einige Zeit) auch mit „Komfort“ einhergeht. Im Innenmaterial und Obermaterial bilden sich mit der Zeit (mehrere Wochen) Aussparungen für die Zehen, ohne das der gesamte Kletterschuh sich dehnt. Hat man seinen Schuh auf diese Weise an den Körper „angepasst“, so genießt man einen ausreichenden Komfort, um auch 10 SL in diesen Latschen auszuhalten.

Die Ferse hat wie beschrieben an der Seite und Spitze unten Luft, drückt aber nicht so dramatisch auf die Achillessehne, wie es bei den Anasazis Lace Up und VCS der Fall ist. Durch die massive Konstruktion mit dicken Komplettgummierung schützt die Ferse des Galileo vor Schmerzen bei Hooks auf scharfen und spitzen Strukturen. Richtig super funktioniert das Einsteigen in die Galileos. Die Öffnung ist groß, die Zunge muss nicht zu Recht gerückt werden, die Anziehschlaufen sind ausreichend dick und breit, die Klettverschlüsse bewegen sich super durch die Metall Ösen und haften beim ersten Kontakt mit Flauschband sofort. Da die Ferse nicht vorgespannt ist, lässt sich Five Ten Galileo super schnell und bequem anziehen und ausziehen. Egal ob beim Bouldern oder an einem Hängestand – schnelles Rein/Raus ist garantiert. Die Qualität und Funktionalität der beiden Velcros kann ich nicht oft genug betonen…

Insgesamt passt der Galileo meinen breiten Füßen ganz gut, jedoch komme ich mit asymmetrischen Schuhen mit Downturn besser zu Recht, was den Galileo für mich zwar nicht disqualifiziert aber auch nicht zum Perfekten Kletterschuh beordert. Galileo fällt in etwa aus wie die alten Anasazis. Ich habe die UK 8 oder 42 gewählt und diese passt mir im etwa wie die 8 UK beim Piky Lace Up. Der Schuh passt sich dann etwas an, je nach dem wie klein man ihn nimmt, wird er bis zur 0,5 UK Größe „bequemer“. Der Schuh weitet sich aber nicht im herkömmlichen Sinne. Ist der Anpassungsprozess abgeschlossen behält er die Form bis die Sohle verschlissen ist.

Performance – wie klettert sich der Five Ten Galileo

Das Klettern mit dem Galileo erinnert stark an Anasazi VCS, nur ist der Galileo nicht so feinfühlig wie seine Anasazi Verwandte (VCS und Lace Up). Trotzdem macht das Treten mit dem Galileo einfach nur Spaß. Das Treffen von Tritten funktioniert wirklich super, auch wenn man auf Grund der nicht ganz so waffenscheinpflichtigen Optik das Gegenteil vermuten konnte. Man packt den Fuß auf den Tritt und hat ihn – kein Nachjuckeln, kein Überlegen, Zweifeln oder Abwägen, man fühlt sofort dass es passt und der Tritt belastet werden kann. Beim belasten selbst merkt man plötzlich die Kraft die der eigene Fuß durch den Galileo in de Lage ist zu übertragen. Das wiederum vermittelt ein Gefühl der Sicherheit und so lässt der Kopf automatisch zu, dass mehr Gewicht auf die Füße übergeben wird. Die Folge ist man klettert super technische Züge auf miesen Tritten und wundert sich wie man das gerade gemacht hat…

Die Ferse verformt sich und rastet im Hook ein…

Das Treten mit dem Galileo war für mich anfangs etwas gewöhnungsbedürftig, da ich es nach wie vor mag mit den Zehen zu krallen. Diese Fähigkeit besitzt Galileo selbst im eingekletterten Zustand nicht. Deshalb war ich etwas skeptisch als ich das erste Mal mit ihm in der Halle Bouldern war. Doch bereits beim ersten Klettern in Kochel merkte ich was man am Galileo hat. Präzises Antreten und sicheres Belasten in allen Winkeln ohne abzurutschen. Einzig auf ganz kleinen Tritten ist der Galileo nicht ganz der beste, weil man durch seine „lockere Konstruktion“ weniger Dampf nach vorne hat und die anfangs steife Sohle mit der Zeit auch etwas weicher wird. Aber bis 8- konnte ich in Kochel mit dem „gemütlich“ sitzenden Galileo alles ohne Probleme klettern. Am Plastik schneidet der Galileo nach meiner Bewertung gut ab, wobei er in starken Überhängen und Dächern Konstruktion bedingt deutlich schwächelt. Das Stealth Onyxx Gummi ist meiner Meinung nach auf speckigen Kochel Tritten zwar nicht so gut wie die C4 von „Pinky“ aber dennoch 1A.

Das Hooken mit dem Galileo ist Geschmack- und Gewöhnungssache. Die Ferse hat zwar Luft, ist aber durch das viele Gummi relativ hart und verformt sich nur minimal. Man hookt mit dem Galileo nicht mit der eigenen Ferse (die durch Gummi „geschont“ und unterstützt wird) sondern mit dem Konstrukt/Instrument Galileo. Dabei fühlt es sich so an als sei die eigene Ferse in einer Art Rüstung, die ihr eine größere Kraft verleiht. Präzises Hooken ist durch schlechtes Gefühl schwierig, dafür hält die Ferse ein Mal eingerastet in die Hookstruktur auch bei passiven Hooks sehr gut. Der Fuß ist mir bis jetzt noch nie ausgerutscht – da leisten die Velcros wirklich hervorragende Arbeit. Beim Hooken auf Reibung ist es schon etwas schwieriger den Hook zu halten, da die Ferse durch die eckige Form weniger Kontaktfläche bietet und durch die „Luftfühlung“ die Druckdosierung erschwert wird und schon mal ein Abrutschen zu Folge haben kann. Eine Miura Ferse würde auch hier den Traum von einem perfekten Kletterschuh ein Stück mehr realisieren.

Toe-Hook Eigenschaften sind alles andere als überragend. Die aufgestellten Zehen tun beim Toe-Hooken weh und bieten keine Möglichkeit durch das Anheben, den Tritt zu umklammern. Alles in einem fürs Routenklettern befriedigend, für das Bouldern ausreichend. Insgesamt würde ich die Performance mit wirklich gut bewerten.

Haltbarkeit

Die Langlebigkeit von Five Ten Kletterschuhen ist auch Galileos Trumpf. Die Sohle will nach 9 Monaten einfach nicht weniger werden, das Obermaterial zeigt gar keine Verschleißerscheinungen, die Ferse lässt sich durch das Hackeln nicht aufreißen und die Klettverschlüsse haften wie im Neuzustand. Ich nutze den Schuh als Verschleißschuh beim Felsklettern in Kochel und Mehrseillängen in Voralpen. Galileo wird auch am Plastik nicht geschont. All diese Belastungskomponenten gehen an diesem Kletterschuh nahezu spurlos dran vorbei. Die Tritteigenschaften werden im Laufe der Zeit durch die dünner und weicher werdende Sohle besser – die Kantenstabilität bleibt erhalten. Hätte dieser Schuh etwas mehr Downturn und eine Ferse a la Team, würde es mein ständiger Begleiter werden, denn seine Qualität ist das Geld wert. Das Einzige Manko aller Five Ten Kletterschuhe trifft auch auf den Galileo ein: fängt er ein Mal an zu stinken hört er nicht mehr auf. Das einzige was hilft ist: NICHT voll schwitzen.

In großen Wänden sehr überzeugend

Empfehlung/Einsatzbereich/Klettergebiet

Wie bereits erwähnt sind Plastik, Kochel und (Vor)Alpen meine Testgebiete für diesen Schuh gewesen. Überall konnte er mich voll überzeugen. Auch die MSL im Zillertaler Granit letztes WE hat meine Überzeugung von diesem Schuh gestärkt. Auf Platten und Wänden im Granit hatte ich immer ein gutes Gefühl und keine Probleme mit Abrutschen, Ermüden etc. Selbst in der nassen und dreckigen Bikini-Variante brachte er mich sicher und sturzfrei nach oben. Sein Komfort bei MSL Aktionen ist eine Frage der Größenwahl und der Dauer der Routen. Die 10 SL haben meinen Füßen dann schon gereicht, obwohl ich ziemlich lange in den Galileos „verharren“ kann. An dieser Stelle kann ich die Empfehlung des Herstellers nur bestätigen: MSL, Boulderparcours und Senkrechte Klettereien, bei denen es nicht nur auf Komfort sondern auch auf Leistung beim Treten ankommt, sind seine Einsatzbereiche. Nach den gemachten Erfahrungen kann ich den nun alten aber nun frischer und peppiger aussehenden Galileo für Breitfüßler wärmstens empfehlen.

Fazit

Nach der anfänglichen Gewöhnungsphase habe ich den Galileo, wegen seines Verhältnisses zwischen guten Tritteigenschatten und Komfort wirklich schätzen gelernt. Ein Schuh für alle Fälle ist Galileo wegen den suboptimalen Hook-Qualitäten und des (mir) fehlenden Downturns sicher nicht. Aber beim Klettern und Bouldern im Senkrechten ist dieser Schuh eine wirklich gute Wahl für Leute denen Anasazi VCs zu schmal ist oder diejenigen, die einen weiten Alpinschuh benötigen. Neben der Performance und Komfort punktet der Schuh mit überragender Haltbarkeit. Mit mehr Downturn und etwas asymmetrischerem Schnitt sowie Five Ten Team Ferse wäre Galileo mein Favorit. Aber auch so ist er sein Geld absolut wert gewesen.

Weitere Informationen:

Testbericht Anasazi Lace Up Blanco

Größenvergleich der Kletterschuhe

Testbericht Galileo von outdoor-junkie.de

!Passwort!: five ten galileo