Five Ten Moccasym
1.783 Wörter
Kletterschuhe Five Ten Moccasym im Test
_ Der zweite Abstecher über den großen Teich_
Die Geschichte
_Der Klassiker!
Der Schuh fiel mir auf, als ich immer wieder die „Dosage 1, 2, 3 und 4“ sowie „Best of the West“ ansah und Zeuge wurde, wie

Im Vorfeld versuchte ich im Internet schlau zu werden, doch zu diesem Klassiker von Five Ten fand ich auf deutsch kaum brauchbare Informationen. Einzig die Bewertungskommentare bei bergfreunde.de ließen erahnen, dass der Schuh sich stark dehnt und sonst sehr sensibel und „** präzise**“ sein soll.
So galt es einfach auszuprobieren – ich machte diesen Schuh zu meinem: „Kletterschuh zum Verschleißen“ Arbeitstier.
Optik, Verarbeitung

Die Form ist eher gerade
Die Optik ist simpel: der Schuh ist aus rotem Wildleder, hat eine Stealth C4 Sohle, eine unförmig aussehende Ferse und ein schwarzes Gummiband am Rist, welches den Slipper am Fuß hält. Alles in einem war die Verarbeitung tadellos. Insgesamt machte der Schuh einen robusten, wenig filigranen Eindruck und kam eher klassisch als High-Tec mäßig daher. Der Schuh hat keine besonderen Features, wie Toe-Hook Gummierungen oder irgendwelche fußunterstützenden Sohlenkonstruktionen. Einfach und funktionell ist der Moccasym.
Konstruktion

Nicht viel Gummiband für so einen guten Halt am Fuß
Es ist ein klassischer Slipper wie er im Buche steht. Der Einstieg durch die gut dimensionierte Öffnung einfach und bequem einfach und bequem. Die Anziehschlaufen sind sehr solide und schneiden durch ihre ordentliche ihre Breite und Dicke nicht in die Finger ein. Die Sohle hat keinen Downturn. Die Ferse ist zwar komplett gummiert, hat jedoch eine ziemlich ungünstige Form. Deshalb bleibt einiges an Luft in der Ferse. Die Sohle ist aus dem berühmt berüchtigtem Stealth C4 Gummi von Five Ten und wartet mit ihren solide dick aussehenden 4mm auf viele Klettermeter. Ich gehe davon aus, dass diese Schuhe keine (oder eine ganz dünne) Mittelsohle haben, denn sie sind insgesamt sehr weich. Die Sohle ließ sich im Neuzustand mit einer Hand ohne Weiteres in Längsrichtung biegen.
Passform und Größe

Schmal ist er
Der Moccasym Schnitt lässt sich der Anasazi Familie zuordnen: gerade, symmetrisch ohne Downturn. Der Schuh ist relativ schmal (auf jeden Fall viel schmäler als der Galileo). Beim ersten Kontakt der breiten Füße mit diesem Kletterschuh merkt man sofort den Druck am kleinen Zehe. Hier muss ich aus der Erfahrung sagen, so klein wie nur möglich kaufen, da sich der Schuh **sehr stark **dehnt. Ich hatte ihn nur eine halbe Größe kleiner als Straßenschuhe genommen (42,5 oder 8,5 UK) und hatte am Ende einen absolut ausgelatschten Hausschuh. Besser wäre ich mit meinem Fuß mit 8 UK oder 42 EUR bedient.
Das Wildleder dehnt sich ja bekanntlich und passt sich den verschiedenen Zeh- und Fußformen_ an. Dies geschieht beim Moccasym bereits nach zwei Mal Vollschwitzen beim Bouldern in der Halle. Spätestens nach 2 Wochen hat sich dieser Kletterschuh den eigenen Füßen angepasst und ist ziemlich bequem. Die Passform ist somit „** flexibel**“ und kann persönlich variabel modelliert werden.
…………….„Am Anfang leiden dann genießen.“……………………………….
_(8 UK – Moc und 7,5 UK Blanco – Moc ist größer)
Ich hatte keine Lust diese Weisheit zu befolgen und wurde mit einem ausgelatschten Schuh „bestraft“. Die Ferse ist ganz klar kein Highlight in der Geschichte der Kletterschuhe, aber sie ist angenehm und drückt nicht auf die Achillessehne oder sorgt für andere Unannehmlichkeiten.
Performance – wie klettert sich der Five Ten Moccasym
Der Moccasym ist ein typischer Five Ten Produkt – er muss eingeklettert werden, bevor er seine volle Leistung entfalten kann. Mit „Out of the Box“ und ran an das Projekt war bei mir nichts. Ist die Einkletterperiode abgeschlossen hat man einen echt guten Schuh, denn man schnell mögen lernt.

Kleine Tritte sind eine große Herausforderung
Das Treten war mit dem vermeintlichen Sharma Boulderschuh anfangs nicht sonderlich berauschend. Die Sohle war einfach zu weich und zu kantenschwach, um frontal auf den kleinen Spax in der Senkrechten zu stehen. Eine Enttäuschung machte sich prompt breit, als ich nach den ersten vergeblichen „Stehversuchen“ zum wieder besohlten Katana zurückkommen musste. Doch dann entdeckte ich die Reibungseigenschaften der C4 Sohle und war vom Grip wirklichüberwältigt. Stealth C4 entwickelt so eine gute Haftung, dass ich später Probleme hatte bei der Lehrdemo „Abrutschen vom Reibungstritt“ mit dem Moccasym den Tritt tatsächlich „zu verlassen“. Auch die Reibungseigenschaften wurden meiner Meinung nach, nach einer Weile einklettern deutlich besser, als zu Beginn (wobei C4 von Beginn an super griffig ist).

Graben mit dem Fuß ist die große Stärke
Die wahre Stärke zeigte sich, dann nicht nur auf Reibungstritten in Bleau und Harz sondern im Überhang. Denn mit der weicher werdenden Sohle konnte ich mehr und mehr mit den Zehen graben. Gut, das konnte ich auch mit den Method, aber der Moccasym vermittelte ein wirklich gutes Gefühl der Trittkontrolle und Kraftübersetzung. So wurde Moccasym im Winter mein Trainingsschuh und half mir nicht nur in Dächern, sondern auch beim Lernen der neuen Seiten der Fußtechnik.

Neuer Aufdruck – gute, alte Mischung
Auch im Senkrechten konnte ich später respektable Leistungen mit dem Moccasym erreichen, nachdem ich anfing die Sohle „** großflächig aufzurollen**“. Das kann man sich so vorstellen: Ich trat die Spax mit der Sohlenfläche unter meinem großen Zeh und rollte dann das Gummi in den Spax rein. Man steht dann Quasi auf Reibung, Zeh am Spax und drückt die Ferse runter, dabei bleibt man zusätzlich zum Druck des Fußes im Gummi „hängen“. Auf diese Weise ging in den Platten auch was, doch bei Schlitzen und kleinen Löchern war Schluss. Alles was nicht aus der Wand raus stand und nicht groß genug war konnte ich mit dem Moccasym vergessen.
Ich weiß nicht wie sich das entwickelt hätte, wenn ich den Schuh ein Paar Nummer kleiner genommen hätte. In meinem Fall entdeckte ich für mich die Tritttechnik des Barfußkletterers und entwickelte etwas mehr Zehenkraft.

Hookwaffe sieht anders aus
Das Hooken mit den „roten Indianern“ war nicht sonderlich überragend, aber ich kam im Training und draußen am Fels bis 6c bloc gut damit zurecht. Die Ferse ist relativ starr, was einwenig die Luft an der Spitze der Ferse ausgleicht. Einzig das Rausrutschen der Ferse aus dem Schuh, hatte mich genervt. Wie das mit einer kleinerer Größenwahl wäre lässt sich nur vermuten, aber ich denke selbst bei einem knallengen Moccasym muss man sich sauber auf den Druckpunkt der Kontaktfläche konzentrieren. Passiv die Ferse einzuhaken und zu hängen wird auf Grund der „lockeren“ Einstiegskonstruktion meiner Meinung nach nicht möglich sein.
Beim Toe-Hooken dagegen ist dieser Kletterschuh meiner Meinung nach einer der Besten. Da das Leder mit der Zeit sehr weich und flexibel wird, lassen sich die Zehen super gegen das Schienbein anheben und durch die flexible Form des Schuhs super an die Hookoberflächen anpassen.

Passt sich jeder Fußform an und kann gut Toe-Hooken…mit extra Gummi
Das Toe-Hooken ist wirklich einmalig, es ist so als ob man mit der Rückseite der Füße plötzlich auch greifen kann. Das Leder bietet materialbedingt wenig Reibung, aber man kann mit
Ausprobieren kann man das, darauf schwören würde ich an dieser Stelle jedoch nicht.
Haltbarkeit

An der Ferse hatte ich eine kleine Ablösung „erhookt“
In Punkto Robustheit, Verarbeitung und Haltbarkeit ist Five Ten mein bisheriger Favorit. Man muss die Five Ten Kletterschuhe zwar immer zu Beginn eintragen (und auch etwas leiden) aber nach dieser Phase sind sie nicht nur super zum Klettern, sondern bieten unglaublich dauerhafte Formstabilität und sehr geringen Sohlenverschleiß. Obwohl Stealth C4 als ziemlich weich und nicht so abriebfest wie Onyxx oder XSGrip von Vibram gilt. Konnte ich im ersten Monat keinen nennenswerten Verschleiß feststellen und das trotz Einsätze im Granit. Erst an den besandeten Indoorwänden rundete sich die Spitze etwas ab. Dennoch bin ich überzeugt, dass ein Miura bei diesem Kletterpensum bereits ein Loch hätte, da wo der mit C4 besohlte Moccasym noch die Hälfte seiner Sohle aufwies. Auch das Obermaterial hat nach einem Jahr keine Schäden davon getragen. Die Fersengummierung hat sich ebenfalls nicht abgelöst, sodass einer Wiederbesohlung nichts im Wege stehet würde. Auf Grund der starken Dehnung hatte ich meinen Mocasym jedoch an einen Freund abgegeben, der ihn immer noch klettert.
Meiner Meinung nach eine beeindruckende Qualitätsleistung für einen 60 EUR Schuh.
Empfehlung/Einsatzbereich/Klettergebiet
Mit dem Moccasym boulderte ich in Frankejura, Harz, Fontainebleau und Zillertal. Grundsätzlich würde ich ihn zum Bouldern im Granit und Sandstein eher verwenden, da er dort die Sensibilität und Reibungseigenschaften der Sohle voll ausspielt. Er war zum Beispiel super für Parcoure in Bleau, da er so bequem und unkompliziert anzuziehen war. An seine Grenze stößt man aber bei kleinen Tritten relativ schnell, da bietet die weiche Sohlenkonstruktion keine Unterstützung.

Reibung, Fühlen, Greifen – in Bleau Zuhause
Hat man jedoch genügend Strom in Fingern und Zehen kann man mit ihm aber alles machen (wie mit jedem Schuh…). Beim Trainieren in der Halle ist der Moccasym von Five Ten auf Grund der Eigenschaften [** Sensibilität, Reibung, Komfort**] (und der größeren Dimension der Plastiktritte) für 60 EUR nicht zu schlagen. Er ist für alle Fußformen geeignet, denn durch den „** neutralen**“ und eher engeren Leisten bietet er eine gute Ausgangsbasis für alle. Man muss sich halt als Grieche_ oder _ Römer_zu Beginn etwas quälen, das lohnt sich aber, denn dann hat man einen individuell angepassten Schuh.
Fazit

geschmeidiges Pärchen!
Ein simpler klassischer Slipper der super sensibel und reibungsstark ist und sich den Füßen perfekt anpasst. Die Qualität und Verarbeitung rechtfertigen den aktuellen Internetpreis von 99 EUR. Für diesen Preis bekommt man aber schon den Stix und Speedster, die von der Innovation und Technik deutlich besser sind. Dennoch eine absolute Empfehlung für alle die lange Freunde an einem individuellem Schuh mit Geschichte haben wollen und wenn er nur als Toe-Hook Spezialist oder Trainingsschuh fungieren soll. Für 60 EUR würde ich ihn wieder kaufen.
Update 28.07.2012:
Größe hat sich geändert. Moccasym fällt nun so aus, wie die aktuellen Anasazis (Blanco, Verde und VCR). Sprich ich bräuchte bei ihm jetzt 7,5 UK wie beim Blanco.
Das Nachfolgemodell 5X hat der alten Moc überlebt. Ich hätte mir ein Velcro gewünscht und die Magic Heel. Dann wäre er noch vielseitiger.
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Weitere Informationen:
Video Stealth Paint und Moccasym
Größenvergleich der Kletterschuhe
Kletterschuhtest Glossar