La Sportiva Testarossa
1.826 Wörter
Kletterschuhe La Sportiva Testarossa im Test
_La Sportiva Testarossa
Was Ferrari und La Sportiva gemeinsam haben_
Die Geschichte
Testarossa – was für ein Name. Diesen Schuh sah ich als Anfänger immer an den Füßen von 9er und 10er Kletterern, was mich diesen Top Kletterschuh in die Kategorie „was für Profis“ legen ließ. Als ich den „[roten Kopf](http://de.wikipedia.org/wiki/Ferrari_ Testarossa)“ in Arco zum ersten mal probierte, fand ich ihn nicht so komfortabel wie Scarpa Mago (für den ich mich dann entschied) und viel zu Weich, um überall draufstehen zu können. Erst letztes Jahr fühlte ich mich bereit den imagieneren „** Profi-Kletterschuh**“ zu klettern. Hier versuche ich meine Eindrücke zu diesem gestandenem Kletterschuh zu schildern, denn auch über Testarossa sind die Informationen im Internet rar.
Optik, Verarbeitung
La Sportiva Testarossa hat ein wirklich schönes Design, das ihn für mich zum definitiv hübschesten Kletterschuh der Geschichte macht. Die gelungene Kombination aus rot, gelb und schwarz (Deutschlandfarben!..) mit der vorgespannten, asymmetrischen Form verhelfen ihm zu einem sehr ästhetischen und dynamischen Eindruck. Ich stehe einfach auf seine Optik, einmalig, perfekt!
Die Verarbeitung ist ebenfalls perfekt und absolut tadellos – La Sportiva typisch. Mehr ist da nun wirklich nicht zu sagen, sehr feiner und schön gearbeiteter Kletterschuh, der jedoch nicht nach Robustheit ausschaut.
Konstruktion

Testarossa Sohle und Konstruktion
Zu seiner Erscheinungszeit war Testarossa eine ähnliche Neuerung wie Solution. Die Halbsohlen Konstruktion, massive Vorspannung und (ganz leichten) Downturn im Zehenbereich werden in diesem Fall dem Kletterschuh Designer [Heinz Mariacher](http://www.climbing.de/allimg2006/heinz_ mariacher.jpg) zugeschrieben. Heute sind diese Merkmale bei vielen Kletterschuhen der Firma La Sportiva aber auch anderen Firmen zu finden und beeindrucken kaum noch jemanden. Seit der Einführung von ** P3-System**, dem Lorica Material und dem XSGrip gab es einige Veränderungen in diesem tollen Kletterschuh. Es handelt sich jedoch um Details. Lorica wurde im inneren Bereich eingesetzt, was die lästige und schmerzende Naht über dem großen Zeh verschwinden ließ. Das P3 System sorgte für eine ausgeprägtere Wölbung in der Sohle nach Innen und XSGrip für blöde Prägungen…
Die Schnürung, die Achillessehne und Fußgewölbe umspannenden Gummibänder und Fersengummierung sind geblieben. Insgesamt ist der Schuh alles andere als Massiv. Die Sohle ist 3,5mm stark und das Obermaterial, als auch Fersengummierung sind ebenfalls eher fein und dünn dimensioniert. Da der Schuh zu größten Teilen aus Leder besteht und ich Lorica nur im Zehen und Fersen Bereich ausfindig machen konnte, ist eine gewisse Dehnung vorprogrammiert. Die Zehenbox ist an der Spitze nicht so hoch wie beim Mago (der im Grunde auf dem Testarossa basiert), was Vorteile in Löchern und Schlitzen hat. Die Gummierung der Ferse stellen zwei Gummizüge dar, die in der Mitte überlappend zusammengeklebt sind und unter dem Achillessehnen Spanngummi verankert werden. Die Ferse ist somit nicht voll gummiert, hat aber etwas Gummi an

Eine flachere Zehenbox und ausgeprägte Spitze beim Testarossa
der Seite der Ferse. Das bietet mehr Hook Qualität ist jedoch vor Ablösung nicht sicher.
Passform
Testarossa hat einen wirklich bemerkenswerten Leisten, der mich anfangs sehr zweifeln ließ, ob er denn zu meinem Fuß passen würde. Der Schuh ist wie gesagt sehr stark asymmetrisch und im Fußgewölbe ordentlich vorgespannt. Betrachtet man den Schuh von unten so sieht er gar nicht so stark unnatürlich Bananenmäßig aus, sonder hat ziemlich genau die germanische Fußform. Erstaunlich ist jedoch wie gut mein recht breiter quadratischer Fuß in diesen recht schmal aussehenden Kletterschuh passt. Zum einen liegt es an dem Schnitt, der sowohl den etwas längeren zweiten Zeh als auch den kleinen Zeh gut Platz bietet/nicht zu sehr einengt und zum anderen an der Schnürung die bis zum Zehengrundgelenke geht und somit individuelle Anpassung ermöglicht. Durch die asymmetrischen Verlauf der Schnürung bekommt man denk ich wirklich jeden Fuß rein und den Schuh fest zu. In der Größe 40,5 bei meinem XSV (altem) Modell war der große Onkel fast lang und in der Spitze ganz klein wenig Luft. Das sorgte natürlich für einen super komfortablen Sitz und lange Tragezeiten, so dass ich mir das Aus- und An ziehen zwischen den Bouldern sparte. Bei der XSGrip Variante in der Größe 40 EU sitzt der Schuh schon sehr eng und der große Zeh ist schon aufgestellt. Lufträume gibt’s nur in der recht weiten Ferse (sieh ist deutlich weiter als bei Miura). Die Passform ist gewiss nicht so sockenartig wie beim Mago, aber dennoch sehr gut und in Relation zu Performance und

Bis auf die etwas breite Ferse weist Testarossa eine traumhafte Passform
der Enge doch komfortabel. So kann ich es in der Gr. 40 schon satte 15-20 min aushalten was zum Routenklettern und -auschecken ganz gut ausreicht. Der Druck auf die Achillessehne ist stärker als beim Solution doch nicht so extrem wie beim Anasazi Lace Up V2. Wäre die Ferse noch enger wäre Testarossa der Kletterschuh, der mir bei La Sportiva am besten passt. Ich schätze, dass Testarossa vielen Kletterfüßen passen würde, lediglich bei ganz schmalfüßigen könnte es knapp werden. Dieser Schuh ist auf jeden Fall nicht auf einen bestimmten Fußtyp zugeschnitten, was ihm eine universale Passform verleiht.
Performance – wie klettert sich der La Sportiva Testarossa
Mit dem damals neuen Aussehen des Testarossa kam auch die neue Eigenschaft des „Greifens mit den Zehen“ in die Kletterwelt dazu. Das ist genau das was Testarossa neben seiner Sensibilität auszeichnet. Die Sohle weist, anders als beim Mago, überall die gleiche Härte/Weichheit auf und ist am Rand evtl. ein Tick härter als unter dem Zeh was ihm recht gute Kantenstabilität verschafft. Die Wölbung im Fußballenbereich unterstützt den Fuß und sorgt dafür, dass die Zehen greifen können. Dabei ist Testarossa viel sensibler als Miura und etwas härter (und auch ein Tick sensibler) als Solution. In der Praxis heißt es auf den Speckigen und abschüssigen Tritt drauf zu steigen und diesen aufzustellen und genau zu fühlen wie es um die Fuß-Tritt Verbindung gestellt ist. Bei La Sportiva ist Testarossa der beste Kompromiss wenn es, um Stabilität und Unterstützung im Vergleich zur Sensibilität geht. Klettert man längere Seillängen oder geneigtere Wände, so ermüden die Füße entsprechend schnell. So musste ich in der Bikini-Variante nach der dritten Seillänge wieder die Galileo anziehen, denn die Fuß- und Zehmuskeln brannten schon. Selbst in einer senkrechten 20m 5c in Massone war meine Fußmuskulatur schon nach der Hälfte überfordert.

Testarossa ist super auf schwierigen unförmigen und speckigen Tritten – die eher weichere Sohle ist jedoch erkennbar
In Frankenjura, Arco und auch in Kochel leistet mein 40er XSGrip Testarossa wirklich tolle Dienste – nur steil muss es sein… Durch die Sohlenkonstruktion ist er zwar im Überhang ähnlich genial wie der Mago, bietet jedoch viel bessere Kantenstabilität und Präzision auf kleinen Tritten in der Senkrechten. So dass man sich für die „[Supernase](http://www.felsreich.at/wp-content/uploads/Lotti/franz_ supernase.jpg)“ keine Miuras für die untere Platte wünscht und sich im Überhang super mit Zehen festhalten kann. Die Präzision (Treffen der Tritte auf Anhieb) ist ebenfalls ausgezeichnet, so dass man nicht nachjukeln muß und sich auch nicht (wie beim Solution) umgewöhnen muss.

Testarossa beim Greifen und „Saugen“ – TOP
Das Hooken funktioniert OK (Toe-Hooks) bis Gut (Heel-Hooks). Die Ferse ist einfach zu dünn und tut deshalb manchmal auf aggressiven Strukturen weh. Die Luft an der Seite ist total blöd. Durch die weiche Konstruktion verformt sie sich sofort beim Hook-Kontakt und rutscht auch gerne ab, wenn man nicht voll konzentriert weiterhin Druck auf den Kontaktpunkt bringt. Im starren Fersengummi hängen, wie es beim Five Ten und zum Teil beim Miura der Fall ist funktioniert mit La Sportiva Testarossa nicht. Auch hier wäre eine Vollgummierung (zumindest an der Außenseite) wirklich wünschenswert, um diesen tollen Schuh der Perfektion ein Stück näher zu bringen.
Toe-Hooks sind definitiv nicht die Stärke des „Roten Kopfes“. Bei Routenklettern funktioniert es noch irgendwie, beim Bouldern und schwierigeren Hooks ist es dann unzureichend. Man Hookt dann auf der Schnürung und aufgestellten Zehen. Dadurch kann man die Fläche mit den Zehen nicht umklammern und die Oberfläche bietet nicht genug Reibung, um dieses Problem auszugleichen. Testarossa hookt ähnlich wieMiura VS und kommt selbst mit zusätzlichen Gummierungen nicht an Soultion und Speedster ran – die Schnürung und Schuhform verhindern das nämlich.
Alles in einem lässt sich Testarossa wirklich super klettern und macht tierisch Spaß, weil man, durch die 3,5mm Sohle, das Gefühl hat dem Fels näher zu sein. Das Klettern mit ihm fühlt sich an wie unterstütztes Barfussklettern (natürlich nicht so ausgeprägt wie beim Speedster) mit allen Vor- und Nachteilen.
Haltbarkeit
Obwohl der Schuh anfangs einen feinen und weniger robusten Eindruck macht, ist er doch erstaunlich zäh und hart im nehmen. Das einzige was oft kaputt gehen kann, ist die Fersengummierung, die sich typischer Weise an der Außenseite ablöst. Alles andere inklusive der Sohlenspitze hält erstaunlich gut und lange. Keine gerissenen Schnürsenkel, sich ablösenden Sohlen und aufgehenden Nähte. Einzig die Dehnung ist zu berücksichtigen (gut 0,5 EU Größe), denn sonst verliert Testarossa schnell an Spannung und wird schwammig beim Stehen und Ziehen. Eng gekauft und eingetragen, sollte er dann aber nicht mit zugeschnürten Schnürung an und ausgezogen werden, denn sonst neigt er dazu unterhalb des Sprunggelenks an der Seite einzureißen. Das Leder ist hier nicht mit Gummibändern verstärkt! Die gute Haltbarkeit geht denke ich auch mit dem selektiven Einsatz dieses „Kunstwerks“ meinerseits einher. Ich habe ihn etwas geschont und versucht nicht an besandeten Kunstwänden zu verschleißen.
Empfehlung/Einsatzbereich/Klettergebiet
Meine frühere Annahme, dass La Sportiva Testarossa „** etwas nur für Profis**“ war, ist nicht ganz unbegründet. Dieser Kletterschuh fühlt sich in steileren Wänden am wohlsten und hilft einem immens das Gewicht von den Armen weg zu nehmen. Durch die recht weiche sensible Sohle braucht man mehr Kraft (Kraftausdauer) beim „längeren“ Stehen – Kraft die man als Anfänger nicht unbedingt hat. Da ich jedoch der Meinung bin, dass die Passform zum eigenem Fußtyppassen soll, bevor man alles andere berücksichtigt, würde ich diesen Schuh jedem ambitionierten und aufstrebendem Kletterer wie auch dem Profi mit römischen Fuß empfehlen.

Auf dem Ur-Speck von Massone ein gutes Gefühl auf Kosten der Kraft
Damit kann man nicht nur in steilen Kunstwänden beim Bouldern und Routenklettern was reißen, sondern vor allem Dingen in der Fränkischen, Arco, Süd Frankreich usw. Wer schon etwas Zehenpower mitbringt, kann damit auch ganz gut in Kochel sowie auch in Sandstein super an flachen Strukturen saugen. Wer das Schnüren nicht scheut, wird mit Testarossa ebenfalls einen tollen Boulderschuh finden, der mehr Unterstützung als der Solution bietet.
Fazit
Aus meiner Sicht stellt La Sportiva die Ferraris unter den Kletterschuhen her. Die Performance und Optik sprechen definitiv dafür, dass die etwas Haltbarkeit dabei etwas auf der Strecke bleibt steht auf einem anderen Blatt geschrieben. Die Optik und die Performance sind auch bei diesem Modell zum verlieben. Die Nachhaltigkeit der Form und Eigenschaften hängt von der Häufigkeit und Art der Benutzung ab. Pflegt man Testarossa so wird er einem lange Zeit im Überhang beim Sportklettern und Bouldern aus der Patsche helfen und viel Freude beim gefühlvollen Sich-Bewegen bereiten. Mein Geheimtipp für breite, normale (und auch schmale) Füße und steile Wände, der im Vergleich zu „neueren“ Kletterschuhen gar nicht mal so teuer ist.
Weitere Informationen
Testbericht Andrea Boldrini Apache Talisman
Größenvergleich der Kletterschuhe