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Kletterschuhtest

La Sportiva

Speedster

DauertestÜber Monate geklettert, mit Urteil zu Haltbarkeit

La Sportiva Speedster

2.017 Wörter

Kletterschuhe La Sportiva Speedster im Test

_ Der grüne Renner_

Die Geschichte

Speedster – Vorspannung und Downturn

Als der Speedster raus kam war ich sehr skeptisch. Kein Wunder denn die Konstruktion und Beschaffenheit des Speedsters wichen von dem mir bis dato Bekanntem ab. Ein Testbericht erschien bereits vor der offiziellen Einführung und machte mich noch gespannter, darauf was es sich mit dieser Neuentwicklung auf sich haben sollte.

Doch richtiges Interesse bekam ich als ich ein Artikel auf 8a.nu lies in dem der Autor versuchte das gefühl zu umschreiben, mit dem sich Speedster klettern lässt. Das hörte sich nach einer neuen Stufe dessen was ich bis her kannte.

Für den Kauf war jedoch ein

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ausschlaggebend, das die Konstruktion und Wirkungsweise des Speedsters in Bild und Ton am Modell darstellte. Nach nun knappen acht Monaten ist es nun für mich an der Zeit ein Urteil über diesen einzigartig–** außergewöhnlichen** Schuh zu fällen.

Optik, Verarbeitung

Die auffällige grüne Farbe und aufgedruckte schwarzen Muster gepaart mit dem gelben Gummiband des Slippers gefielen mir sofort, daran hat sich bis heute nichts geändert. Der Schuh wirkt simpel, hat aber durch die Konstruktion der Spitze und den Downturn das gewisse ansprechende Etwas. Verarbeitung ist wie immer bei La Sportiva sehr gut. Der Sohlenschliff, Verklebungen, Nähte – alles erste Sahne.

Konstruktion

Als Slipper hat dieser Schuh ein besonders auffälliges Merkmal: die abgerundete

Die abgerundete Spitze – keine Ecken und Kanten

Spitze. Alles andere ist nicht wirklich neu: Das P3-System, Loricaund Leder Kombination, Leistenform. Einzig die 3mm dünne und über die Spitze in den Schaft hochgezogene und eine Toe-hook Gummierung bildende Sohle ist eine Innovation. Ein Schuh ohne Ecken und Kanten, DAS traut sich nur La Sportiva. Damit wird scheinbar ein Dogma gebrochen, dass ein High-End-Kletterschuh eine ordentliche Kante haben soll, sonst kann man keine Performance erwarten. [

](https://kletterschuhtest.wordpress.com/wp-content/uploads/2010/09/unterschied-bauweise.jpg) Miura VS und Solution unterschiede in der Konstruktion

Auf den Bildern sieht man deutlich den Unterschied zwischen der herkömmlichen Sohlenkonstruktion und der Halbsohle-„runde Nase“ Konstruktion des Speedsters. Wenn man die glatt geschliffenen Kanten anschaut kommen einem schon mal Zweifel, das dieses dünnes (und am Rand immer dünner werdendes Gummi) lange halten wird. Optischen Wahrnehmung zu Folge weist die Spitze die dickste Gummierung auf.

Die Fersengummierung ist dünn und wurde dahingehend verbessert, dass das von der [

](https://kletterschuhtest.wordpress.com/wp-content/uploads/2010/09/fersenschaden-speedster.jpg) Speedster Fersengummierung – wie immer…

Sohle kommende Gummistreifen nicht an der Ferse aufhört sondern unter dem Achillessehnen Gummizug verankert wird. Das sollte der Ablösung des Gummis beim Hooken dienen. Seitlich hört die Gummierung an der Ferse auf und wird nicht unter dem gleichen Gummizug verankert. Das stellt eine Schwachstelle dar.

Ich bin mir nicht sicher ob der Schuh wie Testarossausw. im Zehenbereich aus Lorica ist und im rest aus Leder besteht, der Speedster komplett aus Lorica besteht oder ob das Leder auf der Innenseite komplett mit Lorica gepolstert ist. Fakt ist dass die Innenseite sich durchgehend wie Lorica anfühlt und ziemlich gemütlich weich ist.

Die Einstiegsöffnung ist gut dimensioniert. Die ausreichend starren und breiten Anziehschlaufen sorgen zusammen mit der gut flexiblen Ferse für einen gut machbaren Einstieg, bei dem man sich nicht die Ringbänder bereits vor dem Klettern zu schrotten vermag.

Passform

Der Leisten erinnert ziemlich an Testarossaist nur etwas schmaler. Das hat mir anfangs [

](https://kletterschuhtest.wordpress.com/wp-content/uploads/2010/09/speedster-auf-reibung2.jpg) Speedster sitzt wie eine Socke

etwas sorge bereitet. Dennoch bestellte ich den Speedster in 39,5 anstatt in der gewöhnlichen Standartgröße 40 EU bei La Sportiva. Ich rechnete damit, dass der Schuh sich weiten wird hoffte dadurch langfristig ordentliche Passform zu erzielen.

Das erste Reinschlüpfen überraschte mich total. Ich musstemeinen quadratischen Fußzwar ordentlich reinprügeln aber als ich drin war, gab das dünne Material des Schuhs an den seiten der Zehenbox so gut nach, dass er wie ein sehr enger Handschuh saß. Im folgenden Bouldersessions versuchte ich immer den Speedster zu dehnen, doch ohne Erfolg. Er nahm nur meine Fußform an, ohne sich groß zu weiten. Mein hoher Rist fand dank des nachgiebigen gelben Gummibandes auch gut Platz und sogar die schmale Ferse wurde ohne jegliche Lufträume von Speedsters Hinterteil eingeschlossen. Richtige Schmerzen bereitet Speester nicht. Erst nach ca. 15 Minuten in den Schuhen fingen gesamten Füße an zu schmerzen.

Dafür rutschte mir bis heute die Ferse noch nie aus dem Schuh, dieser wickelte sich aber auch nicht um den [

](https://kletterschuhtest.wordpress.com/wp-content/uploads/2010/09/speedster-fersenform.jpg) Speedster mit tollen Fersenform

Fuß. Alles in einem ging der Plan von La Sportiva ein Schuh für viele Fußformen zu bauen auf, denn ein ägyptischer Fuß durchaus kleinere Größe verkraften kann als meiner einer und ein breiter wird vom flexiblen Material nicht malträtiert.

Performance – wie klettert sich die Kletterschuhe La Sportiva Speedster

Im Neuzustand ist die dünne Sohle noch etwas fester und bietet mehr Support in weniger steilen Sachen. Je weicher die Sohle mit der Zeit wird, desto unangenehmer werden senkrechtes Gelände und ganz kleine Tritte. Mit dem Speedster zu treten erfordert eine eigene Technik des Aufrollens oder des alles-auf-Reibung-Tretens bei hängender Ferse. Fakt ist, dass konventionelles, frontales Stehen mit diesem Schuh bei mir nicht ohne Schmerzen in Zehengrundgelenk funktioniert. Ansonsten ist die 3mm XSGrip2 ziemlich klebrig (wobei ich keine nennenswerte Verbesserung zu XSGrip fühlen konnte) und leistet sehr gute Dienste beim Treten auf Reibung, das neben dem Greifen

Speedster klebt auf Reibung

mit den Zehen die Stärke des Speedsters ist. Durch die weiche und dünne Sohle kann Speedster jede noch so schlechte Strukturform annehmen und einen Formschluss herstellen, mit ein wenig Druck aus der Hüfte entsteht so eine bombenfeste Trittverbindung die ein angstloses Reibungsklettern bei vollem Feedback (da sehr sensibel) erlaubt.

Das Greifen mit den Zehen (gar mit dem ganzen Vorderfuß) ist wie gesagt ein weiteres [

](https://kletterschuhtest.wordpress.com/wp-content/uploads/2010/09/speester-umklammert-einen-tritt.jpg) Greifen mit den Zehen

Highlight dieser Slipper. Dabei sollte man den Speedster nicht zu klein nehmen, ansonsten sind die Zehen durch das zusammen gepresst Sein in der Beweglichkeit eingeschränkt. Bei meiner Größenwahl (39,5 EU) ist es grenzwertig, jetzt wo der Schuh sich nicht gedehnt hat denke ich, dass die Gr. 40 im Hinblick auf den Greif- und Saugeffekt besser wäre. Das Greifen und Saugen mit den Zehen ist mir zwar möglich jedoch nicht über den vollen Bewegungsumfang des großen Onkels.

Grundsatz lautet je Steiler es wird und je größer und runder die Tritte werden, desto mehr spürt man die Vorteile des Speedsters der dann Füße zum zweiten Paar Hände werden lässt. [

](https://kletterschuhtest.wordpress.com/wp-content/uploads/2010/09/hooken-auf-reibung-im-granit.jpg) Hooken auf Rebung ist gut

Das Hooken mit der Ferse ist bei dem beschriebenen engen luftleeren Sitz sehr gut. Man fühlt was man da gerade unter der Ferse hat und kann einschätzen ob der Druck und die Kraft reichen, damit der Hook nicht flutscht. Hooken mit dem Speedster ist dabei eine aktive Geschichte, die Ferse irgendwo einzuhacken und drin zu hängen ist nicht drin. Zudem ist die Fersengummierung dünn und schützt den Fuß nur wenig von unangenehmen Felsstrukturen. Die Gummierung ist mir auch bei diesem Schuh an der außen Seite (typisch La Sportiva) ein Stück entgegen gekommen, als ich voller Rohr an einem Reibungshook zog und drückte.

Bis auf die Hook abhängigen Schmerzen und das abgelöste Gummi ist das Hooken mit Speedster eine Prima Sache!

Toe-Hooks dagegen sind ein Gedicht. Wirklich sehr gut gelungene Toe-Hook Konstruktion. Durch das weiche Obermaterial und die solide lang gezogene Gummierung an der Oberseite kann man mit der Rückseite der Zehen alles ohne Probleme Umklammern – das kommt einem wirklich wie ein zweites Paar Hände vor. Das Toe-Hooken mit dem Speedster finde ich sogar besser als mit Solution, den ich als eine sau starke Toe-Hook Waffe sehr schätze. Auch hier erbringt der Speedster wirklich eine tolle und respektable Leistung.

Haltbarkeit [

](https://kletterschuhtest.wordpress.com/wp-content/uploads/2010/09/make-in-sohle.jpg) Die einzige Schwachstelle ist die Sohlenfläche unter dem Zeh

So dünn und so (fast) zerbrechlich Speedster anfangs auch wirkt, ist er keines Wegs. Die Haltbarkeit ist überraschend gut! Die Runde und mit dem Gummi überzogene Spitze hat trotz Boulderns an besandeten Wänden keinen Verschleiß außer ein Paar Kratzer. Die Spitze hat nun mal von Beginn an keine Kanten und ist rund. Ich schätze, dass es noch ein Jahr dauern wird bis sich ein Loch bildet (wenn überhaupt). Die Schwachstelle der Sohle ist aus meiner Sicht nicht wie so meist die Spitze sondern die Fläche unter dem großen Zeh. Denn dort spielt sich das Stehen und Treten ab. Durch das dünne Gummi in diesem Bereich kann es bei schartfen Kanten und Warzen schon mal zu einem Cut kommen, der irgendwann in einem Loch unter dem großen Onkel mündet. Aber an runden ergonomischen Plastikoberflächen, dürfte es kein Problem sein.

Die Zehen-Gummierung ist in der Verlängerung zum großen Zeh angebracht und schützt/sorgt für Haftung im Bereich erster und zweiter Zeh. Das beeinträchtigt jedoch nicht im Geringsten die Toe-Hook, Komfort und Haltbarkeitseigenschaften. Ein Verschleiß am Obermaterial über den restlichen Zehen trotz der geringen Stärke des Leders/Loricas beschränkt sich bei mir auf Abrieb der schwarzen Verzierungslinien – sonst nichts. [

](https://kletterschuhtest.wordpress.com/wp-content/uploads/2010/09/leichte-make.jpg) Eine kleine Make – jedoch ohne Folgen

Das gelbe Gummiband hat zwar in ersten beiden Bouldersessions etwas unter meinem hohen und volumenstarken Rist gelitten, leierte aber bis heute nicht aus und geht auch nicht kaputt.

Etwas enttäuschend ist das P3-System in diesem Schuh, denn nach ein Paar Monaten verabschiedete der leichte Hügel unter dem großen Zeh und ging in die nun sehr weiche Sohle über. Das Klettern im Überhang beeinträchtigt das nicht, je positiver die Wandneigung und kleiner die Tritte desto dramatischer wird es. So ist es halt mit der weichen Sohle.

Ein kleiner schönheitsfehler ist das sich Ablösen, des Größenetikett, was natürlich keine Rolle beim Klettern spielt aber ein Hinweis auf die Qualität der Vernähungen im Inneren des Schuhs gibt.

Alles in einem überraschend haltbarer und langlebiger Slipper, von der Haltbarkeit der Spitz her gesehen vielleicht der haltbarste Schuh überhaupt.

Empfehlung/Einsatzbereich/Klettergebiet [

](https://kletterschuhtest.wordpress.com/wp-content/uploads/2010/09/speedster-auf-reibung-3.jpg) Im Fels braucht man einiges an Kraft – das Gefühl ist jedoch genial

Neben dem B** ouldern in der Halle**, hab ich den Schuh zum Bouldern in FJ, Harz, Kochel und im Nürnberger Tiergarten benutzt. In der Halle hat man den meisten Spaß mit diesem Schuh, denn kein Tritt oder Hook tut irgendwie weh, die Sohle bleibt heile und man kann im steilem wie im geneigten Gelände (auf Grund der großen Tritte) ordentlich rocken. Auch in der Fränkischen ist der Speedster sehr zu empfehlen, gerade wo es steil und sehr steil wird. Menschen mit ganz viel Zehenpower können den ganz klar überall tragen. Ich muss mit meinen 83kg vor kleinen Leisten in der Senkrechten kapitulieren… Ob Speedster bei mir für mehr Power in den Zehen gesorgt ist schwer zu sagen, deutliche Kraftzuwachse habe ich jedoch nicht merken können.

Fazit [

](https://kletterschuhtest.wordpress.com/wp-content/uploads/2010/09/speedster-verformt-sich-beim-treten.jpg) Für das Traning in der Halle allein wegen der Haltbarkeit und des Traningseffekts sind diese Kletterschuhe eine Empfehlung

Speedster ist sehr komfortabler out of the Box Schuh, der durch seine Flexibilität allen Fußtypen passen sollte. Er weist eine erstaunliche und im Bereich Schuhspitze sogar phänomenale Haltbarkeit auf und ist (bis auf P3 System) sehr formbeständig. Bouldern am Plastik und im steilem Felsgelände sind seine liebsten Spielplätze, wo er einem das zweite Paar Hände schenkt. Der Preis ist für ein Slipper kein schlechter, doch wer die Art und Weise mit dem Speedster zu klettern mag wird lange Spaß dran haben, was den Kaufpreis durchaus rechtfertigt. Ein Muss für alle die weiche Schuhe mögen oder neue Aspekte der Tritttechnik lernen möchten!

Update Haltbarkeit La Sportiva Speedster 1/2014:

wenn es so weiter geht ist die Kante hinüber - eine echte Schwachstelle der No Edge Konstruktion
wenn es so weiter geht ist die Kante hinüber - eine echte Schwachstelle der No Edge Konstruktion

wenn es so weiter geht ist die Kante hinüber – eine echte Schwachstelle der No Edge Konstruktion

Ich weiß nicht ob es an der nachlassenden Qualität der Herstellung in den aktuellen Produktionsreihen liegt, oder an uns und unseren Tritttechnik, aber die Beschwerden über Ablösungen im Bereich der runden „Kanten“ häufen sich.Bei mir selbst ist das Problem an der Außenkante aufgetreten und ist noch nicht so wahnsinnig dramatisch, aber eine Innenkante (Bild links – Danke Fabian!) ist schon deutlich ärgerlicher, vor allem wenn die Kletterschuhe gerade man ein paar Wochen alt sind. Da hilft wohl nur eins bewusster treten und die Kanten wie in Kommentaren beim Futuradurch einen Leser beschrieben pflege

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Weitere Informationen:

Größenvergleich der Kletterschuhmodelle

Testbericht La Sportiva Futura