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Kletterschuhtest

Scarpa

Instinct S

KurzcheckErsteindruck nach wenigen Einheiten

Scarpa Instinct S

1.751 Wörter

Kletterschuhe Scarpa Instinct S im Test

Knallig – holländisch – geil

Ich weiß noch wie heute, dass dieser Schuh mit der einzige bei der damaligen Vorstellung der Kollektion gewesen ist, der mir auf Anhieb gefiel. Instinct S ist ein relativ unspektakulärer Slipper, der vor allem durch seine leuchtende Farbe besticht und dank des synthetischen Obermaterials ein Traum für jeden Veganer ist. Nach dem ich nun alle seriösen Scarpa Modelle geklettert habe, wurde es Zeit für diesen Slipper und dass obwohl ich sehr skeptisch war. Doch in den überwiegend englisch sprachigen Reviews bekam der Instinct S(lipper) mit Masse Bestnoten – also her mit dem Teil!

Optik, Verarbeitung

Mit der Zeit vergeht die Farbe, nur die Zehen bleiben orange

Die Optik ist wie bereits angesprochen vor allem durch das leuchtende Orange auffällig und recht homogen, denn Orange wird nur durch das Schwarz ergänzt. Optisch ist Instinct S definitiv leckerer als sein Schürbruder und ist ein Mittelding, zwischen einem Booster und Vapor in Sachen aggressives Aussehen. Mir gefällt orange sehr gut – also volle Punktzahl. Die Verarbeitung ist bei Scarpa ja eine Sache, bei der ich meist nichts zu meckern habe. So ist auch im Falle dieses Slippers. Alles ist perfekt. Ja perfekt. Nähte, nicht vorhandene Klebereste, der Sohlenschliff – ALLES. Ich hoffe Scarpa kann auch in Zukunft das hohe Qualitätsstandard halte, auch wenn die in Zukunft evtl. mehr produzieren müssten. Der erste Eindruck ist somit sehr einladend also ist es Zeit für die Lupe.

Konstruktion

keine Halben Sachen, der sensibelste Scarpa hat keine dünne Sohle

Wie sein Bruder Instinct baut die Slipper Variante auf einer durchgehenden Sohle aus XS Grip 2 Gummi von Vibram. Die Beschaffenheit der Sohle ist jedoch ein wenig weicher als beim Schnürer bei in etwa gleicher Sohlendicke, von nicht weniger als 3,5 mm. Ganz so weich wie ein Speedster ist Instinct S jedoch nicht meiner Meinung nach ist er sogar etwas härter als Python von La Sportiva. Das Obermaterial besteht zu 100% aus Lorica. Einem „Kunstleder“ welches sich nicht (wirklich) dehnt und einen ganz geschmeidigen Gefühl auf der Haut vermittelt. Somit musste für diesen Schuh kein Tier dran glauben. Den einen oder freut es sicher. Das Slipper typische Gummiband ist straff und recht widerstandsfähig auf Zug. Die Anziehschlaufen hinten sind aus dem typischen Bandgewebe, während die vordere Schlaufe aus Lorica besteht und etwas dynamischer ist.

Die Ferse ist weich und gut passend

Die Ferse ist klassisch gummiert, heißt: Die Sohle läuft nach hinten aus und bildet die äußere Schicht der Gummierung. Dieser Schuh ist sehr weich, selbst das Randgummi ist so weich, das die Zehen sich poblemlos Platz verschaffen können. Der einzige Kletterschuh, der von der Beschaffenheit her weicher ist, nennt sich Speedster und ist eine richtige Socke. Eine Zehengummierung darf bei einem modernen Slipper nicht fehlen. Die in Form einer Pfeilspitze geschnittene Gummierung verdeckt den Großen Zeh und verschwindet unter dem Randgummi, was sicher gut gegen das Lösen ist. Das Gummi ist weich und müsste eigentlich ebenfalls aus XS Grip2. Der Leisten ist leicht asymmetrisch und orientiert sich eher an einer normalen Fussform, als an einer Banane. Dem entsprechend gut ist das Gefühl beim Einsteigen.

Passform und Größe

rank und schlank mit lorica diät…

Bereits beim reinschlüpfen merkte ich das dieser Slipper kleiner und schmaler ausfällt als die Schnürvariante. Das ist auch gut so, denn ich hatte beim Schnürer etwas Probleme eine passende Größe zu finden. 40,5 EU war zu klein (Minimalgröße), 41 EU zu groß. Beim Instinct S habe ich mich für 41,5 EU entscheiden und wurde belohnt. Der Schuh sitzt wie angegossen. Selbst das Problem des etwas lockeren Öffnungsrandes der Obermaterials (hatte ich bei allen Scarpa Slippern bis jetzt) ist nicht existent. Dieser Schuh sitzt wie eine zweite Haut, eng aber angenehm. Aus Erfahrung weiß ich, dass mit Lorica nicht zu scherzen ist. Dieses Material gibt nicht nach und übt permanent, sein Leben lang einen konstanten Druck auf die Zehen. Positiv ist die Formstabilität. Negativ sind die wachsenden Hühneraugen an den Zehengelenken. Etwas Luft hat die Ferse in dieser Konstellation aber sie sitzt deutlich besser als die von Scarpa Vapor S in der gleichen Größe und macht keine Anstalten beim Hooken vom Fuss zu fliegen. Alles in einem ist die Größe 41,5 EU einfach nur so optimal, wie bei keinem meiner Scarpa Kletterschuhe bis jetzt! Bin sehr positiv überrascht. Ich bin überzeugt, dass dieser Schuh fast allen Fußformen passen müsste und durch sein mittleres Volumen nicht nur den starken Männern eine Wohne ist.

Performance – wie klettert sich der Scarpa Instinct S

Jede Form des Tritts ist gleich einfach zu „fassen“

In diesem Bereich erwartete mich die zweite positive Überraschung. Instinct S ist viel sensibler als der Schnürer und dabei genau so präzise wie dieser. Die nicht ganz so weiche Sohle gibt der Muskulatur etwas Unterstützung und bleibt jedoch flexibel und schmiegt dich auch den problematischsten, unförmigsten und rutschigsten Spax an. Das XS Grip 2 reibt ja bekanntermaßen was das Zeug hält und läuft mit diesem Schuh zur Höchstform auf. Natürlich muss man die Sohle immer wieder reinigen, gerade wenn man in der Boulderwelt war. Denn sonst reibt da gar nichts mehr… Es fällt instinktiv, leicht mit der ausgeprägten Spitze die Tritte zu treffen.

jede Neigung ist leicht machbar

Der Formschluss ist problemlos möglich lädt förmlich dazu ein den noch so kleinen Tritt bedenkenlos zu belasten. langsam beginne ich mich zu verlieben, wenn nur Lorica nicht wäre. Dieser Schuh ist der Inbegriff „** out of the box**“ man kann quasi von Null auf Hundert direkt nach dem Auspacken durchstarten. In der Platte muss man natürlich etwas Zeh-Schmalz anwenden, aber an die Grenzen bin ich bis jetzt in Plastik Platten noch nicht gestoßen. Im Überhang macht es so richtig Spaß und wird immer besser, je weicher die Sohle wird. Und sie wird weicher, denn die mechanische Belastung bekommt selbst die steifsten XS Edge weich. Sehr positiv finde ich die Präzision mit der man die Tritte „bekommt“ – egal ob kontrolliert statisch oder dynamisch nach einem rauspendeln aus der Wand. Ich habe Instinct S mit dem Python verglichen (ein Fuss der eine am anderem der andere) und bin zum Schluss gekommen, dass sie sich beide ähnlich gut klettern lassen. Da Python zur Zeit einer meiner Favoriten am Plastik ist, ist dieser Vergleich quasi eine Art Auszeichnung für den Instinct S.

Gute Ferse ist beim Hooken das A und O

Beim Hooken stellt sich der Slipper ebenfalls unerwartet gut an. Die Ferse funktioniert beim Hooken genau so gut wie die von Miura oder dem Instinct selbst, erstaunlich ist dabei wie gut der Schuh beim Hooken am Fuss bleibt. Natürlich muss man bei extrem harten Hooks zu einem Schnürer greifen aber für 95% der Fälle wünscht man sich mit diesem Slipper nichts anderes mehr. Da die Ferse etwas weicher gestaltet ist, hat man sogar ein besseres Gefühl als bei den beiden oben genannten.

Schützt das Material und klebt am Hook – Das Patch

Die Toe-Hook s klappen auch wunderbar. Irgendwie kann ich im Slipper die Zehen besser anheben, als beim Lace Modell und kann dadurch so richtig Druck auf die Hookfläche aufbauen. Der klebrige Patch leistet hervorragende Unterstützung zumindest da wo er ist. Meiner Meinung nach sollte man diesen im Verlauf erster und zwoter Zeh 2 cm Weiter in Richtung Rist ziehen, dann hat man zum einen mehr Reibung auf dem Hook und schützt das nicht ganz so abriebfeste Lorica vor Verschleiß. Alles in einem ist die Performance für einen solch simplen Slipper herausragend. Hört sich vielleicht übertrieben an, aber ich konnte für mich nichts wirklich negatives an Leistungen dieses Schuhs in verschiedensten Bereichen finden. Egal ob beim Bouldern oder Routen klettern, Instinct Lace überzeugte mich wich ein Slipper nur überzeugen kann. Gute Arbeit Heinz!

Haltbarkeit

Die Sohle ist nicht die dünnste, somit keine Schwachstelle

Man Sollte von solch einem wenig strukturiertem Kletterschuh keine 2 Jahre Kletterzeit erwarten. XS Grip 2 verschleißt meiner Meinung nach mindestens genau so schnell (wenn nicht gar schneller), wie XS Grip. Knechtet man dieser Slipper also am Plastik 3 mal die Woche, dann hält die Sohle in der Regel 3/4 Jahr, bei perfekter Technik evtl. länger. Die Schwachstelle an diesem Schuh stellt das Obermaterial – Lorica dar. Trotz der Formbeständigkeit bekommt dieses im Bereich der Zehenkammer an den „Hügeln“ der Zehengelenke gerne einen Loch. Dies geschieht um so schneller, je mehr man mit den Füßen an der Wand entlang schrappt und wild um sich mit den Zehen hackelt. Da der Große Onkel an dieser kritischen Stelle durch die Zehengummierung „geschützt“ ist, könnte das Problem nicht so massiv auftreten, wie es noch bei Stix und Mago war. Die Farbe geht schneller flöten als man denkt, so dass nur die versiegelte Zehenbox orange bleibt. Das Toe-Hook Gummi ewig hält wage ich auch zu bezweifeln, so wie ich es vom Instinct kenne, muss man etwas aufpassen wo und wie man den Toe-Hook setzt, um dies Gummihaut nicht abzupellen.

Empfehlung/Einsatzbereich/Klettergebiet

Das Gummiband ist wirklich sehr solide, und hält lange gut

Wider meiner Erwartungen ist das Einsatzgebiet dieses Slippers recht vielseitig. In der Halle ist er so richtig zuhause. Egal in Touren oder Bouldern Instinct S liefert überall ein gute Performance ab. An Felsen der Fränkischen zahlt sich seine Agilität und präzise Spitze in den Überhängen aus. Auf lange Sicht sind Wände und Platten mit kleinsten Tritten zwar möglich, aber dem Liebhaber des Barfuss Gefühl vorbehalten. Ich bevorzuge da steifere Schuh, sonst kann ich nicht genügend Gewicht von den Fingern nehmen. Wie man in Videos und Bildern sieht, tritt Instinct S langsam aber sicher sein Siegeszug durch die Klettergebiete dieser Welt an. In Deutschlands Hallen ist er bereits eine feste Größe. Bin ganz gespannt ob es sich ähnlich wie ein Kobra etablieren kann.

Fazit

Kaum Downturn, etwas flachere Zehenbox als beim Instinct – Insgesamt gemütlich

Mit diesem Slipper macht man nichts falsch. Es sei denn man hasst Ballerinas. Wenn man die Größenwahl richtig trifft, bringt Instinct S seine sensible und präzise Leistung von der ersten Minute an bis zu dem Loch in der Spitze konstant. Lorica ist für mich das einzige Hindernis, diesen Kletterschuh als den ultimativen Hallen/** Boulder**/** Trainingsschuh** zu bezeichnen. Aber es bleibt Geschmacksache. Von seiner Performance her hätte er diesen Titel verdient. Eine absolute Empfehlung auszusprechen fällt mir dagegen nicht schwer. Denn dieser Kletterschuh macht richtig Spaß in allen Winkeln der Halle und der Erde.

Weitere Informationen:

Der eigen Fuss ein Anhalt

Größenvergleich der Kletterschuhe

Review Scarpa Instinct S (eng.) I

Review Scarpa Instinct S (eng.) II