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Kletterschuhtest

Rock Pillars

Ozone QC

KurzcheckErsteindruck nach wenigen Einheiten

Rock Pillars Ozone QC

2.038 Wörter

Kletterschuhe Rock Pillars Ozons QC im Test
Vorgeschichte

Die Gummimasse überragt sogar die Grundfarbe

Lange Zeit habe ich mich nach ein Paar Erfahrungen mit Rock Pillars dagegen gewehrt diese Kletterschuhe unter die Lupe zu nehmen. Nach dem ich richtig viel Gutes über die aktuelle Serie und insbesondere über die Ozone QC von vielen verschiedenen Quellen gehört habe, wurde es an der Zeit meine Einstellung zu überdenken. Nun endlich habe ich Zeit für die tschechischen Wunderwaffen gefunden, um sie volle Skepsis an den Prüfstein zu legen und die Qualität in allen Bereich zu überprüfen. Kurz vorab: meine Skepsis und ablehnende Haltung sind nun verflogen, dicker Freund werde ich mit dem Ozone QC dennoch nicht. Wie dieser Zwiespalt möglich ist, wird im Folgenden etwas klarer.

Optik und Verarbeitung der Ozone QC Kletterschuhe

Auch die andere Seite ist eher schwarz

Die Optik ist meiner „überaus kritischen“ Bewertung nach durchwegs gut. Sie ist zum einen geprägt durch ein einheitliches Grün, welches etwas an Edelrid erinnert und zum anderen durch viel schwarzes Gummi. Dennoch bleibt das Design eine komplett eigene Leistung der Tschechen. Rock Pillars Ozone QC ist ein auffälliger, frecher und etwas giftig wirkender Kletterschuh, der sich nicht hinter der namhaften Konkurrenz (Scarpa, La Sportiva, Five Ten etc.) zu verstecken braucht. Ehrlich gesagt erinnert er mich vom Gesamterscheinungsbild etwas an Scarpa Booster, aber eine genaue Analyse ergibt keine belastbaren Parallelen. Ozone QC bleibt für mich also eine eigene Weiterentwicklung aus dem Hause Rock Pillars.

Verarbeitung, wenn man von Kleinigkeiten wie diese Prägung absieht

Die Verarbeitung ist 1A. Sie ohne Weiteres mit La Sportiva oder Scarpa vergleichbar. Ich gehe sogar so weit und behaupte, dass Rock Pillars eine bessere Verarbeitung als Five Ten aufweist. Die Konkurrenz aus China stecken die Tschechen (Gott sei Dank) auch noch in die Tasche. Diese Leistung merkt man an der professionellen Machart und meisterhaften Umsetzung von gewissen Details: wie der Schliff der Sohle, den Übergängen und Nähten im Schuh. Ganz so filigran wirkt dieser Rock Pillars Sprössling zwar nicht, aber ein Tscheche muss wohl ein wenig Robustheit ausstrahlen. Die Qualität merkt man auch an der Auswahl der Materialien. Lorica stellt zurzeit das Non-Plus-Ultra bei diversen Herstellern dar. Dieses Material richtig zu verarbeiten und einzusetzen verstehen aber bei Weitem nicht alle Fabriken dieser Welt. Man merkt das die Rock Pillars Schumacher den Umgang mit diesem Material auf einem hohen Niveau beherrschen. Der Schliff der Sohle sieht zwar etwas eckig aus, ist aber ungeachtet dessen Top. Respekt an die Tschechen!

Konstruktion

Das Herzstück – 3-Forse-System

Der Aufbau der Kletterschuhe ist auf jeden Fall an La Sportiva angelehnt und zum Teil weiterentwickelt. Den Kern bildet das 3-Force System. Welche das Zusammenspiel zweier (dreier) Gummibandzüge beinhaltet. Einmal das Fersenspanngummi und einmal das Randgummi welches gleichzeitig über die Toe Hook Gummierung in das quer verlaufende Band übergeht und am Fußgewölbe der Ursprungsseite endet. An sich keine schlechte Idee, die aber in meinen Augen nicht so wahnsinnig viel bringt, da die Masse des Zuges auf die Verspannung der Zehenbox quer abfällt, sodass die Unterstützung des Längsgewölbes für mich eher weniger merklich ist. Dort ist aber nicht die kritische Zone bei den Kletterschuhen sondern, 3-4 cm weiter vorne. Naja so hat Rock Pillars mal was Eigenes erfunden und wahrscheinlich patentieren lassen. Wäre ich chinesischer Kletterschuhfabrikant würde ich eher das Original (P3) nachbauen… Die Sohle aus XS Grip ist Tipp Top abgestimmt. Nicht zu weich, nicht zu hart mit einem sensiblen Bereich unter dem Zeh – alles, wie es sein soll.

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](https://kletterschuhtest.wordpress.com/wp-content/uploads/2013/10/rock-pillars-ozone-qc-3-force1.jpg)

Die Vorspannung ist moderat, genau so wie der Downturn

Einen richtigen Downturn hat der Schuh nicht, man spürt aber mit dem Finger beim Tasten eine kleine mini Wölbung, die leider nicht ausreicht, um den großen Zeh wirkungsvoll zu unterstützen. Vorspannung ist ebenfalls eher gemäßigt. Lorica ist im gesamten Schuh verbaut, was gleichzeitig Fluch und Segen ist. Segen der Formstabilität wegen und Fluch, weil der konstante Druck auf den Fuß sich für mich persönlich negativ auf den Komfort auswirkt. Die Klettverschlüsse sind gut dimensioniert und positioniert. Der Beschaffenheit der Velcros ist bissig und fest beim Verschließen, leider ist der obere Velcro zu nah am Schaftrand/Zungenrand gesetzt. Oder das Zungenrand ist nicht weit genug hoch/nach hinten Richtung Sprunggelenk gezogen. Fakt ist: mit der Zeit drückt es an der obersten Kante ganz schön. Kann natürlich nur bei mir Fußform bedingt sein.

Super Ferse – einfach super

Die Ferse ist beispielhaft geschnitten, nicht zu schmal nicht zu breit evtl. ein Tick zu weich aber dennoch ein absolut geniales Hinterteil. Der Druck des Fersenspanngummis ist moderat und ist nichts im Vergleich zum Druck des Querbands der Zehenbox. Dieser knallt richtig. Die Kletterschuhe sind innen gepolstert, das schwarze Futter erinnert in etwa an Pacific Futter von La Sportiva, wirkt aber ein wenig künstlicher. Die Innensohle besteht, als (schätze ich) einziges Schuhteil aus Leder. Die Zunge ist auf einer Seite offen, die andere Seite ist vernäht. Der Einstieg ist großräumig, was man vom Querband begrenzenden Tunnel nicht behaupten kann. Insgesamt sind Ozons QC wohl überlegt konstruierte Kletterschuhe. Man kann die Verarbeitung nicht oft genug  loben.

Passform und Größe

eher schmal mit leichten Asymmetrie

Trotz des etwas Booster ähnlichen Aussehens ist die Passform des Ozons QC eine komplett eigenständige Geschichte. Die Kletterschuhe sind relativ gerade, ohne viel Asymmetrie geschnitten, was meinem Fuß leider nicht so zuspricht. Die Zehenbox ist für einen schmalen Fuß mit langen Zehen konzipiert. Das Obermaterial ist vorgeformt und nimmt meine voll Gas aufgestellten Zehen Nr. 2 und 3 mit offenen Armen auf. Der große Onkel, welcher im Verhältnis nicht so lang ist, wird kaum aufgestellt. Daran ändert auch die Minimalgröße von 42 EU (oder 8 UK) nichts.

Auch die Zehenbox ist eher schlank mit einer zentralisierten Spitze

Die Länge würde für meinen Fuß zwar optimal passen, aber die Breite zusammen mit dem doch zu flachem Winkel des großen Zehs in Kombination mit einem valgus-lastigen Schnitt der Spitze sorgen für einen kleinen Disskomfort. Der Schnitt wäre somit perfekt für einen schmalen Fuß, mit langen Zehen und einem geraden angelsächsischen Verlauf. Wenn dabei der zweite Zeh etwas länger ist, lässt es sich auch noch aushalten, da die Form der Zehenbox massives Aufstellen aller Zehen erlaubt. Neben dem suboptimal untergebrachten großen Onkel nervt mich persönlich das Querband des 3 Force Systems, dieses drückt massiv auf die Fußknochen und die ägyptische Form am kleinen Zeh sorgt für ein bekanntes und ungeliebtes Taubheitsgefühl in dieser Region. Die Fersenform ist wie erwähnt ein Traum, den man sich bei vielen prominenten Kletterschuhen vergeblich wünscht. Insgesamt ist der Tunnel Richtung Kletterschuhspitze die einzige unangenehme Engstelle beim Anziehen, der restliche Anziehvorgang geht reibungslos vonstatten.

Griffig und fest im Verschluss

Der Ozone QC fühlt sich dank der vorgeformten Zehenbox und des nicht ganz so dicken Materials sofort bequem an. Die Anpassung an den Fuß erfolgt überraschenderweise bereits in der ersten Klettersession. Ein langes Einklettern und Leiden ist nicht notwendig und so kann ich trotz der minimal Größe sofort schmerzfrei los klettern. Insgesamt würde ich die Passform als eher schmal, lang und rundherum bequem bezeichnen. Für einen Kletterschuh im 9a Bereich verdient der Komfort ohne jegliche Zweifel Bestnoten. Zieht man von der Straßenschuhgröße 1 volle Größe ab, landet man bei einer knackig, sportlichen Passform, ob es für alle die Minimalgröße darstellt hängt sehr stark von Fußproportionen ab.

Performance – wie klettern sich die Ozone QC Kletterschuhe

8 UK (bei 43 EU Strasse) – Minimalgröße für mich

Rock Pillars stuft die Ozone QC Kletterschuhe intern im Bereich 9a ein, das heißt für uns normale Sterbliche, dass es keine Ausreden mehr beim Abrutschen von Tritten gibt, denn diese Kletterschuhe funktionieren auch am Rande des menschlich Möglichen. Konkret sieht meine Bewertung in der klassischen Zweiteilung zwischen Treten und Hooken so aus: Treten 2, Hooken 1. Etwas weiter ausgeholt gestaltet sich die ganze Geschichte so. Ozone QC ist stabil beim Stehen auf Leisten (zumindest solange er noch neu ist), das Trittgefühl hält sich von Beginn an in Grenzen und wird sicher nach ein Paar Wochen im Zusammenhang mit dem Aufweichen der Sohle besser. Die Präzision kann mit Bi-Tension von Scarpa (Bsp.: Scarpa Instinct VS) locker mithalten. Die Spitze sucht sich fast automatisch den Tritt und beißt sich da fest, wo sie hingehört. Umlernen ist nicht notwendig, einsteigen und in der alt bewährten Weise anreißen ist somit problemlos möglich. Mit allen Teilen der Sohle kann man wunderbar Druck ausüben und auch die Performance auf Reibungsplatten wird mit der Zeit (siehe oben) besser.

Schmale Ferse lässt sich gut platzieren und belasten

Die Hookerei ist wirklich top. Die Zehen kann man dank der eher langen und flexibleren Konstruktion erstaunlich leicht anheben. Die Zehenboxgummierung funktioniert tadellos. Nur um die freiliegenden kleinen Zehen ohne Gummischutz mache ich mir etwas Sorgen. Denn Lorica ist nicht das abriebfesteste Material – leider. Das Hooken mit der Ferse ist gigantisch. Vom Platzieren bis Belasten läuft es alles wie geschmiert. Durch die relativ weiche Konstruktion spürt man auch gut, was man da unter dem Schuh an Oberflächenstruktur hat. Der Fuß bewegt sich zwar ein ganz Kleines bisschen beim Reinhängen in den Hook, aber dieser ist Effekt ist durch die Flexibilität der Schaftkonstruktion bedingt und ist auch nicht unendlich groß. Man kann sich also bedenkenlos mit allen Fußteilen in die Griffe und Tritte reinhängen und seine Arme entlaktatisieren. Ein Traum – ich kann mich nur wiederholen. Das Einzige was ich bei diesen Kletterschuhen verbessern würde, wäre die komplette Gummierung der Fersenaußenseite. Beim ganzen bereits vorhandenem Gummi fallen diese 2qcm nun auch nicht mehr ins Gewicht.

Haltbarkeit

XSGrip ist nach wie vor mein Favorit

Ganz abgesehen davon, dass ich in diesem Zusammenhang nichts Negatives gehört habe, kann ich mir keine Haltbarkeitsprobleme bei diesen Kletterschuhen vorstellen. Das XS Grip Gummi gehört nach wie vor zu meinen Favoriten und bietet ein sehr faires Verhältnis zwischen Abrieb und Reibung. In der Kletterhalle hält er bestimmt (je nach Fußtechnik) zwischen 3 und 6 Monaten. Am Fels sind 8 bis 12 Monate möglich (wenn man nicht gerade in Sachsen oder Harz wohnt – da ist das Gestein schon echt aggressiv). Klettverschlüsse werden ohne Probleme halten. Ob Lorica von dauerhaftem Toe-Hooken Löcher an den Zehenknöcheln bekommt bleibt abzuwarten. Eine Besohlung machen die Ozone QC Kletterschuhe problemlos mit, was die positiven Effekte einer evtl. Investition vermehrt.

Empfehlung Einsatzbereich

Diese Zehengummierung löst sich so schnell nicht ab

Meiner persönlichen Einschätzung nach ist Ozons QC ein Kletterschuh mit Allroundpotential. Man kann mit ihm dank der hervorragenden Hook-Eigenschaften ganz prima bouldern. Beim Routen Klettern profitiert man von seiner Unterstützung an den kleinen Tritten. Draußen lernt man schnell seine Präzision schätzen. Der hohe Komfort macht diese Kletterschuhe auch für alpine Einsätze interessant. Aus meiner Sicht ist er besser als der Katana von La Sportiva – eine zwar evtl. ketzerische aber ehrliche Einschätzung meinerseits. Und wenn Katana kein Allrounder ist, dann weiß ich auch nicht. Fakt ist, dass ich mit dem Ozone QC all das machen kann, was ich mit dem Katana machen konnte, ohne etwas zu vermissen oder zu bereuen. Von mir bekommen diese Kletterschuhe die Allrounder Plakette und reihen sich mit Modellen wie Scarpa Vapor Vund sogar Miura VS in eine Reihe ein.

Fazit

Diese Kletterschuhe sind wirklich toll – wenn die passen

Leider passt mir dieser Schuh nur mit Einschränkungen. Wäre die Passform für mich etwas freundlicher wäre Ozone QC in der Rängen der „All Time Favorites“ ganz weit vorne dabei. Ich kann die positiven Stimmen aus den Kletterkreisen nur zustimmen. Beim Rock Pillars Ozone QC macht man (passende Fußform vorausgesetzt) nichts falsch. Die Performance braucht sich auch vor der Instinct Reihe oder dem mächtigen Solution nicht verstecken, wobei die Scarpa und La Sportiva immer noch einen kleinen Vorsprung beim Treten haben. Die Hookerei ist dagegen sehr ausgeglichen und ist wirklich mit viel Spaß verbunden. Diese Kletterschuhe werden mich mit Sicherheit nicht mein Leben lang begleiten, denn dafür gibt es zu viele noch besser passendere Kletterschuhe auf dem Markt. Dennoch kann ich Sie jedem Empfehlen, der o.g. Fußvoraussetzungen hat, denn von der Performance und dem Komfort her muss man bei Rock Pillars (erstaunlicherweise) auf nichts verzichten. Ich bin sehr gespannt auf den Diamond, welcher als Nächstes auf meiner Ostblock-Liste steht.

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Weitere Informationen über Kletterschuhe:

Testbericht Rock Pillars Diamond

Hersteller Infos zum Rock Pillars Ozone QC [vimeo 85019645]