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Kletterschuhtest

Scarpa

Stix

DauertestÜber Monate geklettert, mit Urteil zu Haltbarkeit

Scarpa Stix

2.064 Wörter

Kletterschuhe Scarpa Stix im Test

_ Italienisches Intermezzo III_

Die Geschichte

_Ein wirklich schöner Schuh…

Während ich mit dem Mago im Harz, Fränkischen, Voralpen und Süd Frankreich unterwegs war, wartete der Stix in seinem Karton auf den ersten Einsatz. Ich wollte diese Waffe erst einsetzen, als ich in meinem Klettern nicht mehr weiter kam. Den ersten Spezialauftrag bekam der Scarpa Slipper in Iretissima an der Sonnenwand in Kochel. Letztes Jahr wehrte sich diese super Route erfolgreich meine mit Miura unterstützten Versuche ab. Ich konnte mit den Miura auf den Tritten der Iretissima einfach nicht so viel Gewicht auf die Füße bringen, um noch dran bleiben zu können. Mit Stix war der Einstieg auf Anhieb gelöst, ein unbeschreibliches Gefühl der Kontrolle und Kraft auf den Tritten sorgte an diesem Tag für erfolgreichen Durchstieg und den Beginn der Stix Dominanz.

Optik und Verarbeitung

Neben der Optik ist Verarbeitung ebenfalls herausragend

Optisch sprach mich der Scarpa Stix bereits von erstem Moment an, als ich ihn in Arco in die Hand nahm. An meinem Gefallen an dem Design änderte sich bis zu seinem Ableben nichts. Der Schuh wirkt mit seinem Downturn, der Gummierung der Zehenbox und der grünen Farbpalette wie eine aggressive und smarte Waffe. Insgesamt fielen mir anfangs keine Verarbeitungsfehler auf. Wenn ich den Stix in die Hand nahm, spürte ich die italienische Schuhmacher Kunst und die hochwertige Verarbeitung. Sohle, Nähte, Gummierungen und Ränder alles Top. Die Schlaufen sind aus einem angenehm breiten und dicken Band gefertigt, deren Öffnung optimal dimensioniert (aller Fingerdicken finden Platz ohne stundenlang den Finger durchfummeln zu müssen). Die benutzten Materialien fühlten sich nicht überdimensioniert an, so kamen mir der Viper von La Sportiva und Moccasym von Five Ten im Neuzustand deutlich schwerer vor. Einzig an der Ferse, ist die Gummierung für meinen Geschmack etwas dünn und spartanisch ausgefallen, was sich beim Hooken auf ungemütlichen Felsstrukturen später bemerkbar machte.

Konstruktion

Halbsohle mit X-Tension ist meiner Meinung nach das BESTE

Im Prinzip ist der Schuh genau so konstruiert wie der Mago: im Vorderfußbereich befindet sich die 3,5mm XSGrip Sohle (die aber etwas dicker aussieht als die ebenfalls mit 3,5mm angegebene Sohle des Mago´s). Das Fußgewölbe ist (simultan zum Mago) mit Gummibändern umspannt, was für eine gehörige Vorspannung in diesem Bereich sorgt. Diese gekreuzten „Fußtape-Bänder“ sorgen für einen Downturn, der wirklich nachhaltig ist und nicht nach ein Paar Kletterwochen weg ist. Dadurch ist der Schuh im Mittelfußbereich sehr flexibel – ein großer Vorteil beim „aktiven Treten“ und Graben mit dem Fuß im Überhang. Beim Stehen im senkrechten Gelände sorgt es im Neuzustand für genügend Spannung im Fuß, um auf kleinen Strukturen ordentlich Druck ausüben zu können. Mit der Zeit geht die Spannung zwar etwas raus und somit muss der Fuß mehr arbeiten, einen deutlichen Leistungsverlust konnte ich dabei jedoch nicht beobachten. Die auf das aktive Greifen und Stehen ausgerichtete Konstruktion leistet merklich gute Dienste, auch beim ausgelatschten Schuh. Dabei wird die Spannung in der Mitte des Fußes aufgebaut, um dann über den „TPS_“ unterstützt auf die sensible Spitze übertragen zu werden.

Die Ferse ist mit den gleichen Gummibändern überzogen, was für eine Gummierung in diesem Bereich sorgt. Ich bezweifle jedoch, dass dieser Gummi ebenfalls XSGrip ist, denn es fühlt sich deutlich glatter an und gript auch nicht so am Fels. Ne etwas dickere, durchgehende Fersengummierung mit einer weniger voluminöseren Ferse wäre die nötige Zutat, um diesen Schuh zu perfektionieren.

_Das Volumen ist wie man sieht nichts für schmale dünne Füße

Das Obermaterial ist eine Kombination aus Leder (der mittlerer Teil des Schuhs) und Lorica (Zehenbox und Ferse). Die Zehenbox ist ähnlich geräumig und Hoch wie die von Mago, ist jedoch besser gummiert (auch hier eher Fahrradschlauch Gummi) und in der Form etwas Spitzer. Diese stärker ausgeprägte Spitze gepaart mit der Sohle, die auch am Rand eine ordentliche Stabilität aufweist, macht den Stix zu einem perfekten Präzisionsinstrument in allen Situationen. Er kann zwar nicht ganz so punktuell (wie der Mago) Druck auf einen „aufgestellten“ Tritt ausüben (es fühlt sich mehr so an als hätte man eine Fläche unter dem Zeh, die die Kraft überträgt), dank der deutlich besseren Kantenstabilität (durchgehende Mittelsohle bis zum Rand?) kann man mit diesem wirklich feinfühligen Slipper superpräzise kleinste Tritte treffen und kraftvoll belasten.

Der Einstieg ist für einen Slipper recht unkompliziert, das Gummigespann am Rist hält den Schuh gut am Fuß.

Passform

Das ist der Hacken an diesem tollen Schuh, Die Ferse ist wirklich groß, breit und…

Obwohl mir dieser Schuh bei den Zehen einmalig gut gepasst hat, kommt er an die perfekte Passform und Komfort von Mago nicht ran. Mit der Gr. 42,5 habe ich den Schuh damals zu groß gewählt, sodass ich nach der anfangs perfekten Passform, nach der Dehnung (1-1,5 Nummern!) deutliche Einbußen in der Leistung merkte. Auch wie der Mago ist der Schuh etwas für Römer und Griechen (siehe Fußform_), sodass Menschen mit schmalen, weniger voluminösen Füßen und ägyptischer Fußform weniger glücklich werden sollten.

Die Zehen sind alle aufgestellt, was durch Lorica eine gewisse Zeit (bis 30-40min) nicht sonderlich schmerzhaft ist und für den tollen Kontakt des großen Zehs zu der Schuhspitze sorgt (endlich keine Luft in der Spitze wie beim z.Bsp. Katana). Tritt man mit der Schuhspitze an, so macht man das mit dem Gummiumhüllten/-geschützten Zeh und nicht mit der „leblosen“ Gummispitze des Kletterschuhs.

Am Rist am Übergang zur Ferse konnte ich sogar mit meinem breitem und „hochristigen“ Fuß den Schuh nicht ausfüllen, sodass sich beim Hinstellen eine kleine nicht ausgefüllte Falte bildete. Ein Umstand der sicher, zu großen Größenwahl zugeschrieben werden kann und sich beim Klettern nicht negativ auswirkte.

_Eifach super im Überhang

Die Ferse hat bei der Passform ein ähnliches Problem wie Mago und Booster, sie ist einfach nur breit und sehr voluminös. Meine schmale Ferse war darin von allen Seiten von Luft umhüllt, was zwar nicht unbequem war, sich beim Hooken jedoch rächte. Die Achillessehne muss in diesen Schuhen nicht leiden, die Ferse ist ergonomisch angenehm geformt und passt Menschen mit dem klassisch breiten Fuß (breiter Vorderfuß und entsprechende Ferse), bei der richtigen Größenwahl, sicher gut.

Später hatte ich den Stix in 41,5 anprobiert (die kleinste für mich mögliche Größe – „** Minimalgröße“) und stellte fest, dass die Ferse etwas weniger Luft hat, aber noch deutlich weit weg vom Miura-Standart ist. Ein weiteres Problem bei der „Minimalgröße“ ist das Passen des „ TPS-Hügels**“, denn bei dieser Größe ist der Vorderfuß deutlich in den Schuh gequetscht, sodass der Effekt der Unterstützung des großen Onkels verloren geht. Die Größe sollte jedoch so klein wie möglich genommen werden, da der Schuh sich 1-1.5 Größen weitet und man Slipper bedingt keine Anpassungs- und Korrekturmöglichkeiten hat.

Performance – wie klettert sich der Scarpa Stix

kleine defizile Tritte kein Problem für den Stix

Die Performance ist von mir zu Beginn als phänomenal empfunden worden, kein Tritt zu klein, zu abschüssig zu speckig. Ich konnte alles stehen was ich zu dieser Zeit (im Bereich 8+ UIAA und 7a fb) versuchte –** ALLES**! Ein tolles Gefühl die Schuhe anzuziehen in „Lila Pause“ einzusteigen und sich keine Gedanken machen zu müssen, ob man in der Lage sein wird die kommenden Tritte zu belasten. Ein Traum wurde war, ich hatte die Wunderwaffe für mehr Spaß und weniger Angst (wegen der Turbo-Trittkontrolle) gefunden.

Nach 2-3 Wochen dehnte sich der Schuh aber extrem stark ca. 1,5 Größen (und das, obwohl ich mit dünnen Socken kletterte, um die Schuhe nicht voll zu schwitzten). Die Routen bis 8-/8 gingen zwar noch aber auf ganz kleinen Tritten (egal ob Überhang oder Platte) fehlte dem Schuh nun Dampf der Spannung – er wurde zunehmend schwammiger. Ich kletterte den Stix trotzdem fleißig weiter und stieg im ausgelatschten Zustand sogar meine ersten beiden 8+ in der Fränkischen durch (unter anderem die klassisch polierte „Fight Gravity“) doch das Gefühl der Unbesiegbarkeit dieser Geheimwaffe „** verschwamm**“ sowie die Spannung des Materials.

Dieser Downturn funktioniert überall! In Platte wie im Dach

Trotzdem ging dieser Schuh als ein Wahnsinns–** Tritt**–** Instrument** in meine Erinnerung ein. Präzise, feinfühlig und dennoch stabil und kraftsparend konnte er alles egal ob Voralpen Kalk, Granit oder Fränkische. Wirklich Spitze.

Das Hooken war ein absoluter Schwachpunkt des sonst überragenden Scarpa Stix. Zwar war es manchmal hilfreich in positiven Felsstrukturen den Hook durch Verformung des luftgefühlten Materials zu „verhacken“ aber insgesamt war das Hooken aufgrund der dünnen Gummierung (siehe oben) recht schmerzhaft und nicht besonders befriedigend. Zu dieser Zeit habe ich erstmals angefangen mit zwei Schuhen zu bouldern. Den Stix zum Treten/Greifen und den Miura zum Hooken.

Für einfache Hooks in Routen absolut ausreichend

Die Hooks mit den Zehen gingen noch schlechter, denn die stark aufgestellten Zehen verhinderten deren Anheben Richtung Schienbein. Einen Toe-Hook mit derart aufgestellten Zehen ist nicht nur schmerzhaft, sondern auch nur bedingt effektiv. Die einfachen Hooks gingen, erst im ausgelatschten Zustand und nur wenn man den gesamten Fuß Richtung Schienbein zog und auf das bisschen Grip der Zehengummierung hoffte. Bei komplizierten Hooks auf kleine Flächen hatte ich keine Freude und Erfolge, was neben der Konstruktion sicher den eigenen Fähigkeiten zuzuschreiben ist.

Haltbarkeit

mittlerweile mein zweiter Stix, hier noch nagelneu. Er bekommt gerne ein Locjh über dem großen Zeh, bevor die Sohle durch ist – schade

Die Haltbarkeit der Vibram XSGrip Sohle war 1A. Die 3,5mm hielten sehr, sehr lange und zeigten nur geringen Verschleiß. Anders war es beim Obermaterial (siehe Mago_) auch hier kündigte sich eine Belüftung des gr. Onkels an und ich beschloss mich zu beschweren.

Ich schrieb Scarpa an und ging zu einem Laden (der Stix vertrieb), um die Schuhe einzuschicken. Nach ca. 2,5 Monaten und mehreren Anläufen bekam ich die gleichen Schuhe direkt von Scarpa neu besohlt und mit den Gummistücken an den „Schwachstellen“ geflickt zurück. Kein Tausch, keine Einsicht der Materialschwäche – der Grund wurde bei „anatomischen Anomalien“ des Kunden gesucht. Etwas schwach wie ich finde.

_Das Obermaterial leidet bei jedem Toe.Hook

Na gut dachte immer hin ist die Sohle neu, also kann ich noch gut was klettern mit meinen „alten Waffen“. Die Sohle sah aus wie im Neuzustand, das Randgummi wurde belassen – professionelle Arbeit!

Das Klettervergnügen war jedoch dahin. Die vorsorglich geflickten, mit Gummiaufklebern versehenen Stellen rieben dank den ausgelatschten Schuhen plötzlich an den Knöcheln der Zehen und sorgten für Schmerzen und Blasenansätze.

Das Treten wurde vom Genuss zur Enttäuschung, die Neubesohlung nahm den Stix die Präzision, Gefühl und Kantenstabilität die Schuhe wurden noch schwammiger, sodass ich sie nicht mal mehr zum Trainieren benutzte. Der Glanz der Legende–** Alleskönner-Stix** verblasste. Was bleib sind Erinnerungen an die perfekten Anfangsleistungen.

Empfehlung/Einsatzbereich/Klettergebiet

Menschen mit normal breiten bis sehr breiten Füßen kann ich den Stix wirklich wärmstens empfehlen. Eine Zeit lang hielt ich ihn für den perfekten Kletterschuh: passgenau, komfortabel und in ALLEN Bereichen und Gebieten beim Treten überragend leistungsstark. Dass ich nicht übertreibe, sieht man an der Schuhauswahl von Dave_ McCleod__. Er nimmt den Stix für alle seine Klettereien (von Trad- über Sportklettern bis zum Bouldern) – für mich sehr gut nachvollziehbares Phänomen. Das er mit den Stix sogar „Walk of Life“ wiederholte zeigt die Eigenschaften des Schuhs, denn Dave kann bei seinem Sponsor alle Schuhe ordern, ohne auf Geld zu schauen…

Trotz der Dehnung absolute Spitze beim Stehen

Ich persönlich hatte vor der Wiederbesohlung super Erfahrungen in einigen deutschen Klettergebieten (FJ, Ith, Voralpen, Harz) gemacht, lange Zeit war Stix für Routen und Boulder die erste Wahl. Ein weiteres Pro-Argument ist sein Preis von gerade 75 EUR (im Internet) – in diese Performanceklasse ist das geschenkt!

Fazit

Scarpa Stix ist ein aggressiv aussehender, dennoch intelligenter Alleskönner, für wenig Geld. Die Leistung beim Treten ist überragend auf allen Trittformen und Felsarten. Die Passform ist Sache der Fußform und sorgt dank der Konstruktion zwar für Hühneraugen, wirkt aber in meinen Augen mit der Ergonomie dem Hallux Valgus entgegen. Eine Entwicklung im Design der Kletterschuhe, die SUPER ist und fortgeführt werden sollte! Mit einer besseren Fersengummierung und weniger Volumen derselben würde ich die Schwächen im Material in Kauf nehmen und den Stix IMMER wieder kaufen!

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Nachtrag 16.06.2011: Leider, leider, leider wird dieser Kletterschuh nicht mehr hergestellt. Ich persönlich finde es sehr Schade und hoffe das der Stix irgendwann mit einer besseren Ferse und Zehengummierung aufersteht, denn dann habe ich meinen perfekten Kletterschuh gefunden!!!

Habe schon recherchiert wo, man noch welche bekommt, aber vergeblich nur noch ausgefallene Größen vorhanden – SCHADE!!!!!

Stix lebt wieder als Neuauflage (Testbericht Stix V2)!

Weitere Informationen:

UKC Gear

Rock&Run (Dave MacLeod)

Testbericht Scarpa Booster

Testbericht Scarpa Boostic

Testbericht Scarpa Stix V2 (Nachfolger)