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Kletterschuhtest

Qualität und Herkunft

Made in ...? Woher Kletterschuhe wirklich kommen

Wer sich lange genug mit Kletterschuhen beschäftigt, dem fallen irgendwann deutliche Unterschiede bei Verarbeitung, Haltbarkeit und Qualität zwischen den Herstellern auf. Warum löst sich ein Modell nach kurzer Zeit auf, während ein anderes über Jahre hält? Ein Teil der Antwort liegt in der Herkunft: Made in Germany ist lange her, Made in Romania war noch gestern, heute lassen die meisten Hersteller ihre Produktion in den fernen Osten verlagern.

Diese Verlagerung ist kein Nebenschauplatz. Bei Five Ten führten Qualitätsprobleme bei den Anasazis – lösende Verklebungen, dünneres Material – zu einer Reaktion des Herstellers: Der Schaft wird seither in Korea gefertigt, Sohle und Endfertigung erfolgen in den USA. Andere Hersteller gehen andere Wege: Manche europäische Marken halten bewusst an Europa fest und produzieren in Rumänien oder anderen osteuropäischen Ländern, andere verlagern die Fertigung vollständig nach China – bei gleichzeitig steigender Qualität dort.

Diese Seite trägt zusammen, was sich über die Herkunft verschiedener Kletterschuh-Hersteller beobachten lässt: von den USA über Osteuropa und Deutschland bis nach Italien und Spanien. Es geht um Verarbeitung und Materialwahl, nicht um Kaufempfehlungen – und um die Frage, was der Herstellungsort tatsächlich über die Qualität eines Schuhs aussagt und was nicht.

Worum es hier geht

Es geht um die Herkunft von Kletterschuhen: wo verschiedene Hersteller fertigen lassen, wie sich das auf Verarbeitung und Haltbarkeit auswirkt, und welche Veränderungen sich über die Jahre beobachten lassen.

Der Herstellungsort ist kein Nebendetail auf dem Etikett, sondern hängt eng mit Materialstärke, Verarbeitungsqualität und Haltbarkeit zusammen. Wer versteht, warum ein Hersteller seine Produktion verlagert hat oder woanders fertigen lässt, kann Qualitätsunterschiede zwischen Modellen besser einordnen.

Der Beitrag

1.233 Wörter

Made in ….. ????….

Ich beschäftige mich schon eine ganze Weile mit Kletterschuhen und deren Eigenschaften. Immer wieder stelle ich dank nun gewachsener Erfahrung deutliche Unterschiede bei der Verarbeitung, Haltbarkeit und insgesamt Qualität von diversen Kletterschuhen verschiedenster Hersteller. Anfags wunderte ich mich noch wieso mein Mad Rock sich auflöste und der Mammut Fahrradgummi als Randgummi hatte, doch irgendwann kam ich hinter die Gründe.

FERNOST

Seit dem gibt mir diese Thematik bei Kauf von diversen Produkten im Outdoorbereich (Kleidung, Schuhe, Ausrüstung) keine Ruhe. Made in Germany ist lange her, Made in Romania war noch gestern, heute dagegen scheinen (wirklich) die meisten Hersteller ihre Produktion komplett in den fernen Osten verlagert zu haben. Die „älteren“ erinnern sich bestimmt noch Qualitätsprobleme bei Five Ten Anasazis – da lösten sich verklebungen, das Material war deutlich dünner etc. Diese Probleme stammen aus der Herstellung in den genannten Ländern. Five Ten reagierte und lässt nur noch den Schaft in (aktuell) Korea herstellen. Die Sohle sowie die Endfertigung erfolgt in USA (zumindest ist das bei Anasazis so).  Ähnlich sieht es bei Evolv aus…

AMERIKA

Die Qualität dieser „Amerikanischen“ Kletterschuhe ist gut – man kann es nicht anders sagen. Filigrane Perfektion wie man sie nur bei den Italienern finden sucht man vergebens. Dafür bekommt man „schwere Qualität“ recht robuste und vielleicht etwas gröbere Verarbeitung, dickere Materialen und insgesamt sehr gut haltbare Schuhe. In Sachen Kletterschuh Technologie sind die Amerikaner zwar noch hinterher, doch sie holen (wie bei Evolv Shaman zu sehen) langsam aber stätig auf.

EUROPA

Der Preiskampf auf dem Markt geht an den europäischen Herstellern nicht vorbei. Die Produktion im eigenem Land wird immer teuerer, so dass man diese verlagert. Wohin? Die bewussteren deutschen Bergschuhhersteller halten an Europa fest und produzieren in Rumänien und ähnlichen osteuropäischen Ländern.

Anders sieht es bei dem „deutschen“ Kletterschuh Hersteller Red Chili. Diese lassen ihre Kletterschuhe komplett in China fertigen. Dazu muss man sagen, dass die Chinesen extrem lernfähig sind und Jahr für Jahr die Qualität steigern. Als ich letztens die „neue“ Marke ClimbX begutachtete fiel mir die tadellose Verarbeitung im Bereich der Kleberänder. Der gesamte Kletterschuhe sah sauberer verarbeitet aus als die Design Teile von Andrea Boldrini. Nichts objektives auszusetzen! Wirklich beeindruckend, erstaunlich und beängstigend…wie gut die chinesichen Schuhfertiger geworden sind. Das einzige was bleibt ist das „subjektive Missfallen“ meinerseits, welches ich nur schwierig in Worte fassen kann und eher haptisch wahrnehme. Leider fehlt mir eine richtig langfristige Erfahrung mit den Made in China Kletterschuhen, da mich diese haptischen Defizite bis jetzt von einer Anschaffung abhielten.

Ein Lichtblick in Deutschland ist das traditionsunternehmen Edelrid. Seile werden in Deutschland hergestellt – die Kletterschuhe und die hochwertigen Bouldermatten kommen aus Osteuropa. Auf den Etiketten findet man immer Made in EU wieder. Die Qualität die Verarbeitung ist erste Sahne. Sauber und robust, da muss sich Edelrid nicht vor der Konkurenz verstecken! Super Arbeit – weiter so!

Vorbildlich und ehrgeizig sind auf diesem Gebiet die Tschechen. Egal ob Seile, Gurte, Bouldermatten und auch Kletterschuhe werden im eigenem Land (nach meinem Kenntnisstand) designt und hergestellt. Die Qualität der Produkte braucht den Vergleich nicht zu scheuen und wird mit der Zeit immer perfekter. Dickes Lob an die tschechischen Jungs – macht weiter so!

Die beiden Urgesteine in Sachen Kletterschuhe Made in Europe bilden die Länder Italien und Spanien. Während Spanier (meiner persönlichen Meinung nach) bei der Herstellung sehr stark tradionell ausgerichtet sind. Sind die beiden bekanntesten italienischen Hersteller (La Sportiva und Scarpa) Weltweit die Vorreiter bei der Weiterentwicklung von Kletterschuhen. Obwohl die Italiener in Sachen Schuhe wirklich unschlagbar sind, muss ich für die iberische Halbinsel eine Lanze brechen.

Produziert wird in eigenem Land, es wird (fast) ausschliesslich hochwertiges Leder verwendet und auf eigenen (keinen abgekupferten) Leisten gefertigt. Die Kletterschuhe sind sehr haltbar und lassen sich mehrmals besohlen. Auch in Sachen der Weiterentwicklung lassen sich die Spanier nicht lumpen und bringen neue Leisten, Gummimischungen und Ideen zu Steigerung der Performance raus. Obwohl ich immer skeptisch Boreal gegenüber stand, machte ich einige sehr gute Erfahrungen mit diversen Modellen und änderte meine Meinung zu diesen Kletterschuhen. Wenn man dabei bedenkt, das von der Idee eines neuen Kletterschuhs bis zur Fertigung etc. alles in einem spanischen Dorf passiert, finde ich das einfach toll! Mit einem weiteren spanischen Hersteller namens Tenaya hatte ich noch keine Erfahrungen und möchte ihn also auch nicht bewerten.

Die hoch gelobten und allseits geschätzten Italiener setzen die Messlatte in Sachen Kletterschuhe ziemlich hoch, was nicht bedeutet, dass sie perfekte Arbeit leisten. So stellte ich bei La Sportiva seit 2008 einen leichten Rückgang in Sachen Qualität fest. Es betrifft zwar Kleinigkeiten, aber schade ist es dennoch, denn die Qualität war mal definitiv besser. Ich kann mir das nur mit der wachsenden Nachfrage weltweit erklären. So ist La Sportiva gezwungen, mehr und schneller zu produzieren, was anscheinend auf Kosten der ehemals so feinen Qualität geht. Des weiteren fiel mir wiederholt auf, dass die Sohlenspitze schneller ein Loch bekam. als bei anderen Herstellern. Da die La Sportiva Kletterschuhe so toll gemacht sind, so gut passen und einen förmlich „besser klettern lassen“ sieht man sich gezwungen, diese wiederholt zu kaufen. Natürlich kann es an meiner Fußtechnik liegen, aber bei Five Ten oder Scarpa halten die Schuhe einfach länger! Auch Sportiva ist in China aktiv. Gott sei Dank, dass all die „richtigen“ Kletterschuhe (alle im Katalog aufgelisteten) noch in Italien produziert werden. Doch es gibt diverse Produkte (Tarantula, Mantis), welche schon in China vom Band gehen. Wohin sich das ganze entwickelt bleibt abzuwarten.

Scarpa ist meiner Meinung nach immer noch im Aufwind. Die Produkte sind toll, Weiterentwicklung geht weiter, alles noch Made in Italy UND besser (!) verarbeitet als bei La Sportiva (unglaublich aber wahr, wie diverse Vergleiche zeigen). Bleibt nur zu hoffen , dass die Verbesserungen der Ferse weiter forciert werden und Lorica irgendwie Hühneraugen freundlicher und abriebfester gemacht wird.

Das halten am Leder sehe ich als zwingend notwendig, da dieses Material trotz allen neuen synthetischen Lösungen unverzichtbar bleibt.

Zu den Franzosen ist soviel zu sagen: Die Qualität ist okay. Wenn man diese mit den chinesischen Sachen vergleicht, dann halten sie der Prüfung meiner Meinung nach nicht stand.

FAZIT

Made in China ist nicht schlecht. Die Preise liegen in der Herstellung, wohl unter den reinen Europa und US Produkten, sonst könnten Firmen wie ClimbX ihre Kletterschuhe nicht zu diesen Preisen anbieten. Ich frage mich wie die Europäer die Preise noch so vergleichsweise niedrig halten können. Ich meine wenn die Spitzenmodelle von ClimbX 110 € und die von Red Chili 130 € kosten, dann ist für mich unklar wie die Firmen (La Sportiva, Scarpa, Five Ten und Boreal) von der Herstellung eines 130 € (VK) teueren Kletterschuhs  (über)leben können. Ich bin nun wirklich kein Wirtschaftweiser, aber da muss doch bei den China-Nutzern mehr Geld hängen bleiben – oder?

Als weiteres Problem, sehe ich zudem den Verlust an handwerklichen Kompetenz in Europa und deren drohenden Verlagerung nach China, Vietnam, Korea usw. Kann das sein? Nur um die Kletterschuhe für 10€ billiger kaufen zu können???

Natürlich werde die Red Chili Teile in Deutschland designt, aber das reicht mir noch lange nicht aus, um das Produkt ruhigen Gewissens kaufen zu wollen. Zum Glück ist die Performance der „China Kinder“ noch nicht so überzeugend, wie der italienischen Kletterschuhe, denn so fällt mir die Wahl nicht schwer…

Was meint ihr zu dieser Thematik. Eure Meinung würde mich sehr interessieren. Also schreibt Kommentare nimmt an der Umfrage teil. Ich hoffe ich bin nicht allein mit meiner Meinung..!

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    Die Qualität amerikanischer Kletterschuhe wird als gut beschrieben, allerdings ohne die filigrane Verarbeitung italienischer Modelle. Dafür stehen robuste, etwas gröbere Verarbeitung, dickere Materialien und insgesamt sehr haltbare Schuhe im Vordergrund. Bei der Kletterschuh-Technologie gelten die Amerikaner als etwas im Rückstand, holen aber – etwa beim Evolv Shaman sichtbar – langsam auf.

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    La Sportiva und Scarpa gelten als die beiden bekanntesten italienischen Hersteller und weltweit als Vorreiter bei der Weiterentwicklung von Kletterschuhen. Bei La Sportiva wird seit 2008 ein leichter Rückgang bei der Qualität festgestellt, unter anderem eine schneller durchlöcherte Sohlenspitze – während die im Katalog gelisteten Modelle weiterhin in Italien produziert werden, entstehen einzelne Produkte wie Tarantula und Mantis bereits in China. Scarpa wird dagegen als weiterhin im Aufwind beschrieben, mit Modellen komplett Made in Italy.

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Häufige Fragen

Warum verlagern so viele Hersteller ihre Produktion nach Fernost?

Weil sich die Produktion im eigenen Land zunehmend verteuert hat und die Fertigung in Fernost günstiger ist. Gleichzeitig hat sich die Qualität dort über die Jahre deutlich verbessert, wie sich etwa an der Verarbeitung von ClimbX-Kletterschuhen zeigt.

Aus dem Testarchiv: Qualität und Herkunft

Was unterscheidet amerikanische von italienischen Kletterschuhen?

Amerikanische Kletterschuhe gelten als robust und haltbar, mit dickeren Materialien, aber ohne die filigrane Verarbeitung italienischer Modelle. Bei der Technologie werden die italienischen Hersteller als weiter vorne beschrieben, wobei amerikanische Hersteller aufholen.

Aus dem Testarchiv: Qualität und Herkunft

Werden alle Red-Chili-Schuhe in Deutschland hergestellt?

Nein. Red Chili lässt seine Kletterschuhe komplett in China fertigen, in Deutschland entsteht lediglich das Design.

Aus dem Testarchiv: Qualität und Herkunft

Wo werden Edelrid-Kletterschuhe hergestellt?

Kletterschuhe und Bouldermatten von Edelrid kommen aus Osteuropa, während Seile in Deutschland gefertigt werden. Auf den Etiketten der Kletterschuhe steht entsprechend „Made in EU“.

Aus dem Testarchiv: Qualität und Herkunft

Hat sich die Qualität von La Sportiva über die Jahre verändert?

Laut Testberichten ist seit 2008 ein leichter Qualitätsrückgang zu beobachten, unter anderem eine schneller durchlöcherte Sohlenspitze. Als möglicher Grund wird die wachsende weltweite Nachfrage und der dadurch nötige schnellere Produktionsrhythmus genannt.

Aus dem Testarchiv: Qualität und Herkunft

Sagt „Made in China“ automatisch etwas über die Qualität eines Kletterschuhs aus?

Nicht zwangsläufig schlecht: Die Verarbeitungsqualität aus China wird als über die Jahre deutlich gestiegen beschrieben, etwa am Beispiel ClimbX. Eine pauschale Aussage über alle Modelle und Hersteller lässt sich daraus aber nicht ableiten.

Aus dem Testarchiv: Qualität und Herkunft

Werden alle Kletterschuhe eines Herstellers am selben Ort gefertigt?

Nein, das kann innerhalb einer Marke variieren. Bei La Sportiva etwa werden die meisten Katalogmodelle in Italien produziert, während einzelne Modelle wie Tarantula und Mantis bereits in China gefertigt werden.

Aus dem Testarchiv: Qualität und Herkunft

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