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Kletterschuhtest

Kletterschuh-Tuning

Kletterschuh-Tuning: mehr Reibung, längeres Leben

Ein Kletterschuh verliert seinen Grip nicht, weil das Gummi schlecht wird, sondern weil es zusetzt. Dreck, Staub und Magnesia legen sich in die Poren der Sohle, die äußere Schicht wird glatter, und irgendwann schmiert man vom Speck ab, den man vor drei Wochen noch gehalten hat. Den Effekt kennt jeder aus dem Laden: Ein wirklich nagelneuer Schuh klebt bei den ersten Schritten über den staubigen Boden förmlich fest – nach einer Weile Rumlaufen ist genau das weg.

Das Gute daran ist, dass sich der größte Teil davon zurückholen lässt. Warmes Wasser und die eigene Handfläche bringen erstaunlich viel Dreck aus dem Gummi heraus. Schleifpapier an den Stellen mit Schuppenbildung setzt die Sohle praktisch zurück und verlängert sie sogar, statt sie zu verkürzen – so widersinnig das im ersten Moment klingt.

Genauso wichtig ist, was man dem Schuh nicht antut. Ein Sonnenbad zieht die Weichmacher aus der Sohle, ein heißer Kofferraum löst den Kleber, und Kletterschuhe als Hausschlappen am Wandfuß kosten Form und Spannung. Diese Seite sammelt, was sich über Jahre an Pflege, Reparatur und Vorbeugung bewährt hat – und was nachweislich nichts bringt.

Worum es hier geht

Es geht um alles, was zwischen Kauf und Wiederbesohlung passiert: Sohle reinigen, Schuppen abschleifen, Gestank vorbeugen, zu enge Schuhe einklettern und die Fehler vermeiden, die einen Schuh vorzeitig umbringen.

Kletterschuhe sind Verbrauchsmaterial. Wer die Sohle pflegt, klettert nicht nur sicherer, sondern kauft schlicht seltener nach. Und ein großer Teil des Verschleißes entsteht nicht beim Klettern, sondern daneben – im Rucksack, im Auto, am Wandfuß.

Der Beitrag

1.406 Wörter

Sohlentuning der Kletterschuhe – Die Leistung verbessern das Leben verlängern.
Tipps und Tricks für Nutzung und Pflege der Kletterschuhe

Die Reibung der verschiedenen Gummimischungen an den Kletterschuhe ist ein beliebtes Thema unter den Kletterern.FS-Quattro von Boreal, Stealth C4 von Five Ten oder XSGrip von Vibram welche Sohle klebt auf welchen Gesteinssorten am besten.

Ganz unabhängig von dem Hersteller und deren Eigenschaften haben alle Gummisohlen eins gemeinsam: Sie sind alle wirklich klebrig im Neuzustand, doch sobald Dreck, Staub und weitere Partikel mit der klebrigen Gummimasse in Kontakt kommen, setzen sie die Poren des Gummis zu und sorgen dafür, dass die äußere Schicht glatter und evtl. schmieriger wird. Den Effekt merkt man bereits im Laden, wenn man einen (wirklich) nagelneuen Kletterschuh anzieht und mit ihm über den (meist) staubigen Fußboden geht, so klebt man bei den ersten Schritten förmlich (dabei ist es egal ob Onyx oder XSGrip). Nach einer Weile des „Rumlaufens“ klebt man irgendwann nicht mehr – die klebrige Wirkung ist weg!

Die Spuren der mechanischen Beanspruchung sind deutlich sichtbar

Um diese gewollte Eigenschaft des Klebens auf diversen Untergründen zu erhalten, lohnt sich von Zeit zu Zeit eine gründliche Sohlenreinigung.

Tuningtipp 1:

Die Sohle mit warmen Wasser behandeln und mit der Handfläche den Dreck aus der Sohle „quetschen“. Man ist schnell erstaunt, was da alles rausgeht und wie klebrig die Sohle danach ist. Dabei gilt je länger man mit der Reinigung wartet, umso mehr Arbeit hat man den Ganzen Dreck aus der Sohle zu „reiben“. Immer wieder am Ball bleiben lohnt sich bei „Spezialisierten-High-End-Projekt-Peformance-Kletterschuhen“ alle mal, denn der Effekt ist deutlich spürbar und äußert sich im „Nicht-mehr-vom-Speck-Abschmieren“.

typische Schuppenbildung bei einem Solution

Behelfsmäßige Reinigung vor dem Durchstiegversuch erfolgt mittels eigenen Spucke und der selbigen o.g. Handfläche. Die Finger würde ich zwecks Griperhaltung vor dem alles entscheidendem Rot Punkt Versuch nicht benutzen. Neben dem Extra Grip hat die Spucke-Bahandlung einen positiven psychologischen Nebeneffekt: Die Reinigungstätigkeit lenkt ab und hilft den Kopf vor dem Einstieg freizubekommen – ein nicht zu unterschätzender Punkt …

Lebenserhaltungstipp 1:

Oft lässt man im Sommer beim Klettern die Kletterschuhe in der Sonne liegen. Ganz abgesehen vom Ausbleichen der Farben und extremen Temperaturen in den Schuhen ist dieses Sonnenbad Gift für die Sohle.

Das war ein heißer Kofferraum

Die Sonne lässt Weichmacher der Sohle verschwinden und macht sie spröde und reibungsarm. Einfach das längere Brutzeln der Kletterschuhe in der Sonne vermeiden und so die Performance sowie Lebensdauer sichern. Kletterschuhe im Kofferraum zu lassen kann genau so tödlich für sie sein. Steht das Auto in der Sonne steigen die Temperaturen im Innenraum bis auf 60°. Folge: Der Kleber löst sich und die Gummibänder sowie die Sohle selbst können sich ablösen. (Ich musste da schon Lehrgeld zahlen …)

Ein Riss in der Sohle ist ein Anfang vom Ende

Lebenserhaltungstipp 2:

Eigentlich eine Banalität aber bei vielen Anfängern und Profis immer wieder zu beobachten: Die Kletterschuhe bleiben in der Kletterpause oder beim Sichern als Hausschlappen am Fuß. Neben der dreckigen Sohlenproblematik durch das Rumlatschen am Wandfuß wird der Kletterschuh quasi artfremd verwendet und verliert dadurch schneller seine Form. Ähnliches widerfährt einem Volleyball, der zum Fußballspielen „missbraucht wird …

Daher habe ich mir nach dem dritten Paar Kletterschuhe angewöhnt die Schuhe direkt nach dem Klettern vom Fuß zu nehmen und an die Seite zu legen. Im MSL Routen hänge ich sie immer an den Stand. Belohnt wird man mit einem Kletterschuh der nicht so schnell die Form verliert und die Spannung behält.

Ist die Haut abgezogen, dann hilft nur ränder abschneiden und abschleifen, um weiteres einreißen zu verhindern

Ein anderes Problem mit der Reibung der Sohlen sowie deren Haltbarkeit ist ebenfalls mechanischer Natur. Die meisten kennen die Schuppenbildung im Gummi unter dem großen Zeh. Diese Schuppen wurden mir vor langer Zeit aus einer Kletterschuhe-Tipp-Broschüre als ein notwendiger Schritt auf dem Weg zum „Mega-Grip“ verkauft. Die Wahrheit ist jedoch, das es sich um Mikro Risse der Sohle handelt. Diese entstehen durch das Antreten auf Reibung, durch scharfe Trittstrukturen, das Aufrollen der Kanten auf kleinen Tritten und das „Rumdrehen“ auf größeren rauen Tritten. Sind die Schuppen erst mal da, fühlt sich das Antreten gut, direkt und präzise an, die Reibung ist auch gut, ABER diese werden schneller größer, denn wie ein eingerissener Fingernagel oder abgezogene Haut am Finger wird der Riss durch Beanspruchung immer tiefer und breiter.

Die Folge ist irgendwann ein punktueller Riss in der Sohle oder ein Loch unter dem großen Onkel. Besonders bei weichen dünnen Sohlen geht die Haltbarkeit rapide in den Keller. Die Abhilfe bringt etwas Zeit und Schleifpapier.

Grobe fetzen abschneiden…

Tuningtipp 2:

Die gereinigte Sohle an den betroffenen Stellen mit dem Schleifpapier abschleifen. Die Größe der Körnung bleibt jedem selber überlassen, zu groß ist ungünstig, da es tiefe Kerben verursacht, zu fein und man muss ewig schleifen, bis sich das gewünschte Ergebnis einstellt. Das Abschleifen kann ne Weile in Anspruch nehmen, doch auch hier lohnt sich die Arbeit, denn der Effekt ist merklich: Man hat quasi einen neuen Kletterschuh (zumindest von der Sohle her). Die Sohle bietet die ursprüngliche Reibung und ist quasi „resetet“. Die Mini-Schäden verschlimmern sich nicht und auf diese Weise verlängert sich auch die Lebensdauer. Eigentlich absurd das abtragen der Sohle als Lebensverlängerung anzureisen aber meine Tests und die Aussagen eines bekannten Schusters stützen diesen Tipp. Zudem ist die Schicht, die man abschleift im Mikro Bereich anzusiedeln.

Mit Schleifpapier abschleifen…

Auch hier kann und sollte jeder selbst eine Meinung bilden und einfach mal ausprobieren, ob die Mühe es auch Wert ist.

…bis die Ränder glatt sind und sich ohne weiter zu reißen abklettern können

Viele Kletterer schimpfen über stinkende Kletterschuhe aus Synthetik Material und tragen ihre Kletterschuhe in einer luftdichten Verpackung im Rucksack. In der Tat stinken z.Bsp. Five Ten, Mad Rock oder Evolv Kletterschuhe fürchterlich, wenn man sie mehrmals stark vollgeschwitzt hat. Ich persönlich muss sagen, dass mir bis jetzt diese Erfahrung dank nicht so extrem schwitzenden Füßen erspart geblieben ist. Das heißt weder meine Mas Rock noch Five Ten sind irgendwann trotz intakter Sohle aufgrund des Gestanks ausgesondert worden.

Doch was kann man vorbeugend gegen Stinke-Schuhe tun????

Tipps GEGEN Gestank:

  • dünne Socken tragen. Was heut zutage ein Dogmabruch darstellt war zu WoGü Zeiten gang und gäbe. Fakt ist, dass Socken in Kletterschuhen die Schmerzen lindern, Füße warmhalten und den Schweiß der Füße aufnehmen.

beim Klettern im Winter und alpinen Nordwänden sind Socken oft ein echter Gewinn

  • Schuhe in Kletterpausen ausziehen – weniger Schweiß gelangt in die Schuhe und die Füße bedanken sich ebenfalls.

  • Die Kletterschuhe nach dem Klettern nicht vollgeschwitzt im Rucksack und schon gar nicht in der Plastiktüte lassen, SONDERN Luft an die schweißgetränkten Teile lassen. Das wirkt von Anfang an befolgt echte Wunder!

  • Stinkt ein Kletterschuh erstmals, hilft weder Spray, noch tagelanges Einsperren im Tiefkühlfach (beides habe ich mal nach einem missglückten eBay Kauf erfolglos ausprobiert). Auch der Schleudergang in der Waschmaschine (wenn man sich traut… – Five Ten halten das in der Regel aus, ob die Sohle danach die „alte“ ist weiß ich nicht…) bringt keine anhaltenden Erfolge, in aller Regel stinken die Schuhe nach kurzer Zeit wieder! Zudem raten die Hersteller von solchen Behandlungen ab!

Daher bleiben nur Socken, Luft oder ein Kletterschuh aus Leder, der allerdings bei dauerndem Vollschwitzen alles andere als gut riecht …

Das einfachste Mittel um die Kletterschuhe lange zu klettern bleibt die Technik. Hangeln, Hangeln, Hangeln !!!!

Spaß beiseite!

Saubere und gute Fußtechnik sowie die Körperspannung reduzieren den Verschleiß am meisten, da die Schuhe viel weniger und deutlich „harmlosere“ Kontakte mit der Fels-/Kunstwand aushalten müssen.

Also gilt: Konzentrieren, Antizipieren (die Form des Tritts und die Belastungsrichtung geistig vorwegnehmen) den Fuß EIN MAL setzen, Druck drauf geben und entschlossen belasten.

Tipps für das Einklettern

Ist der Kletterschuh zu klein gekauft und der Schmerz beim Klettern die Tränen in die Augen treibt hilft zuverlässig folgende SteinzeitMethode:

ohne Worte
ohne Worte

ohne Worte

Schuhe anziehen und ein warmes Fußbad mit ihnen nehmen. Danach noch eine Weile anbehalten und nicht auf der Heizung trocknen. Hilft das nicht, sollte man den Kletterschuh verkaufen.

Ist der Schuh nicht ganz so klein, so das die Tränen erspart bleiben, dann hilft in aller Regel 1-2 Wochen Einklettern. Ein Eintragen vor dem Fernseher bringt nicht das gleiche gute Ergebnis, da der typische Kletter-Druck des Fußes im Schuh fehlt.

Und nun nach all den Weisheiten ist es an der Zeit einfach die Kletterschuhe zu nehmen und Klettern zu gehen.

Weitere Informationen:

Fußform und Passform

Größenvergleich der Kletterschuhe

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Häufige Fragen

Wie oft sollte ich die Sohle reinigen?

Regelmäßig statt gründlich. Je länger man wartet, desto mehr Arbeit hat man, den Dreck wieder aus dem Gummi zu reiben. Bei Schuhen, die man für ein Projekt braucht, lohnt es sich vor jeder Session.

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Bringt Spucke wirklich etwas?

Als behelfsmäßige Reinigung vor dem Durchstiegsversuch ja – mit der Handfläche, nicht mit den Fingern, damit der Grip an den Fingern erhalten bleibt. Der Nebeneffekt ist psychologisch: Die Reinigungstätigkeit lenkt ab und hilft, vor dem Einstieg den Kopf freizubekommen.

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Schleifpapier auf der Sohle – macht das den Schuh nicht schneller kaputt?

Es klingt widersinnig, aber die abgetragene Schicht liegt im Mikrometerbereich, während die Mikrorisse ohne Behandlung immer tiefer werden. Tests und die Aussage eines Schusters stützen, dass Abschleifen die Lebensdauer verlängert.

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Welche Körnung soll ich nehmen?

Das bleibt Geschmackssache. Zu grob hinterlässt tiefe Kerben, zu fein bedeutet ewiges Schleifen. Wichtiger als die Körnung ist, dass die Sohle vorher sauber ist.

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Darf der Kletterschuh in die Waschmaschine?

Die Hersteller raten davon ab. Der Schleudergang bringt beim Gestank ohnehin keinen anhaltenden Erfolg – nach kurzer Zeit riechen die Schuhe wieder. Ob die Sohle danach noch die alte ist, ist offen.

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Hilft Einfrieren gegen den Geruch?

Nein. Tagelanges Einsperren im Tiefkühlfach wurde ausprobiert und blieb erfolglos, genau wie Spray. Was bleibt, sind dünne Socken, Luft und gegebenenfalls ein Lederschuh.

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