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Kletterschuhtest

Scarpa

Vapor

DauertestÜber Monate geklettert, mit Urteil zu Haltbarkeit

Scarpa Vapor

2.351 Wörter

Kletterschuhe Scarpa Vapor im Test

Der Allrounder ganz nah

Kletterschuhe für breite Füße zu finden ist nicht so einfach. Noch schwieriger ist es einen breiten Kletterschuh zu finden welcher persönliche Anforderungen ab 7er aufwärts erfüllt. Nach dem ich recht begeisterter Fan von Scarpa Kletterschuhen bin, war es nur eine Frage der Zeit, wann ich auch noch den Vapor (Lace) mir gönnen und unter die Lupe nehmen würde. Eigentlich ist Vapor der Ursprung in dieser Serie von Scarpa. Von seinem Grundaufbau und dem Leisten stammen Vapor V und Vapor S ab. Vapor bedeutet eine Art „** Zwischending**„. Gemeint ist sicher der Kompromiss aus Performance und Komfort. Mit dieser Palette wollte Scarpa die Lücke für ambitionierte Einsteiger, nicht ganz so extreme Fortgeschrittene und bequeme Patschen liebende Profis schliessen. Wie ich bereits beim Scarpa Vapor V feststellen konnte ist dieses Vorhaben super gelungen. Dennoch fehlten mir beim Vapor V ein Paar Kleinigkeiten und so hoffte ich auf die Schnürrervariante.

 Optik, Verarbeitung

Orange, wenig Vorspannung und Downturn – einfach und gut

Dieser Kletterschuh ist konsequent in einer Farbe gehalten – orange! Was soll man da groß sagen? Entweder man mag es oder nicht. Ich finde es nicht schlecht und sogar ein Tick besser als die optische Aufmachung von Vapor V. Neben orange besitzt dieser Kletterschuh noch einige schwarze Design-Details. Zum einen ist die Schnürung aus schwarzem Material (welches stark an Kunstleder erinnert) zum anderen ist das am Schaft schwach repräsentierte Gummi ebenfalls schwarz und somit ein Teil der Gesamtkomposition. Die Optik ist ganzheitlich schlicht. Insgesamt gefällt er mir optisch nicht so gut wie der alte Stix aber immer noch sehr akzeptabel. Die Form des Schuhs ist eher gemäßigt und fällt kaum ins Gewicht bei erstem optischen Eindruck. Scarpa Vapor wirkt zuverlässig, stabil und „kernig“ was sicher auch der entsprechenden Verarbeitung geschuldet ist. Die Auswahl der Materialien und deren Zusammensetzung ist bei Scarpa standartgemäß erste Sahne. Ich meine was kann man zu diesem Thema schreiben, wenn vergeblich nach irgendwelchen Fehlern sucht wird. Fakt ist: seit dem La Sportiva die Produktion umgestellt hat ist Scarpa mein persönlicher Nr. 1 in Europa was die perfekte Verarbeitung angeht.

 Konstruktion

Durchgehende feste Sohle ganz wie damals…

Zu diesem Punkt kann man nur sagen, dass in dieser Produktserie der Trend ganz klar wieder hin zum durchgehenden Sohlenaufbau gegangen ist. Das ist das was diesen Schuh neben der flachen und breiten Zehenbox auszeichnet. Eine stabile, feste Sohle mit einem kantensteifen Gummi. Das XSGrip Edge ist ja schliesslich für solche Schuh auch geschaffen worden. Oft wird in diesem Zusammenhang auch von einem Leistenkiller gesprochen. Diesem Namen wird Vapor definitiv gerecht. Die Sohle wird vor allem durch die aktive Zwischensohle zu einem echten Brett. Dieser wird umso steifer je mehr man sich mit den Zehen in den Griff krallt. Das ganze funktioniert mittels Gummistreifen die von der Ferse in Richtung Schuhspitze unter die Sohle verschwinden

Wie man sieht sind nur die kleinen Zehen aufgestellt, der große im Vergleich kaum

und so die Kraft aktiv nach vorne bringen. Die recht steife Sohle setzt der Aktiven-Rand-Geschichte die Krönung auf  und schafft den eben beschriebenen Bretteffekt. Der Leisten ist vorbildlich an die natürliche Fußform angelehnt. Der große Onkel wird nicht unnötig in Richtung Fußmitte gedrückt. Die Zehenbox ist recht flach, so dass die Zehen bei richtigen Größe nicht voll Gas aufgestellt werden. Die Form ist nicht bananenförmig sondern folgt der physiologischen Fußkrümmung. Der gesamte Schaft mit Ausnahme der Zehenbox ist aus Leder. Der vordere Teil ist aus Lorica, was ja bei Scarpa mittlerweile Standart geworden ist. Dadurch bleibt die Form und das Volumen länger beständig. Die Ferse ist klassisch gummiert: Die Sohle geht hinten in die Fersengummierung über. Die Vorspannung der Ferse ist enorm was sich an der Achillessehne auswirkt. Die restliche Vorspannung ist alles andere als extrem und hat einen rein funktionellen Charakter. Die Schnürrung ist eine Mischung aus reinem Speedlacing und altertümlich Stanzloch Schnürrung. Diese Mischung funktioniert prima. Man zieht zwei mal und der Schuh sitzt bombenfest am Fuss – ohne sich zu lockern oder aufzugehen. Einzige

Der Schnürung fehlt noch ein zusätzliches Loch in Richtung Sprunggelenk

Verbesserungsvorschläge wäre ein zusätzliches Loch weiter Richtung Sprunggelenk und eine Umsäumung des Lederrandes im Knöchelbereich wie es beim Vapor V der Falle ist. Dadurch verspreche ich mir mehr Struktur im Schuh und weniger Dehnung in diesem Bereich. Die Zunge ist gut gestaltet und sinnvoll angebracht, was insgesamt den Komfort weiterhin steigert.

 Passform und Größe

Deutlich breiter und weniger ägyptisch geschnitten

Wie Eingangs bereits erwähnt ist Vapor ein Segen für Menschen mit breiten Füßen. Ist eine gewisse Breite des Vorderfusses (ab 10 cm) gegeben, dann werden Menschen mit jeglichen Zehenformen für sich glücklich. Im schlimmsten Fall hat der ägyptischer Zehentyp an einer Stelle einen etwas weniger aufgestellten zweiten Zeh, was jedoch keine Probleme bereiten sollte. Dafür müssen die griechischen Fusstypen ihre überlangen Zehen nicht drei mal falten, um in den Schuh zu kommen, sondern finden direkt Platz. Ist der große Onkel recht lang, dann darf man bei der Größenwahl nicht zu stark „downsizen“, denn Vapor drängt an dieser Stelle den Zeh recht stark nach hinten. Bei kurzen Zehen ist dies jedoch wiederum ein Glücksgriff, denn dadurch ist der Kontaktpunkt des Zehs wirklich ganz weit vorne in der Spitze – da wo er hin gehört! Daraus resultiert in ganz klarer Vorteil, man hat nicht zuviel Luft und „leblosen“ Gummi zwischen der Wand und dem vorderen Zehrand. Die

deutlich flacher als der aggressive Stix

Zehenbox ist im Vergleich mit dem Booster und dem Instinct sehr flach. Das heißt die Zehen werden nicht maximal aufgestellt (hängt natürlich von der Größenwahl ab), sonder physiologisch nach hinten gedrängt, um gut Kraft entfalten zu können. Das Lorica Material sorgt natürlich für guten Komfort in der ohne hin gemütlich geschnittenen Zehenbox von Anfang an. Der restliche Lederschaft ist auch sehr komfortabel. Selbst die recht stark vorgespannte Ferse drückt weniger aggressiv auf die Achillessehne als die vom Vapor V. Die Passform der Ferse ist die glieche wie beim Vapor V und ähnelt stark der guten alten Miura Ferse. Diese passt selbst meiner eher schmalen Ferse gut, obwohl ich im Fersenboden etwas Luft habe. Alles in einem passt der Vapor von vorn bis hinten raus aus dem Karton schon fast perfekt. Die restlichen Modelierungsarbeiten des Fußes laufen ohne große Schmerzen ab und sind sehr bald (1 Woche) abgeschlossen. Dieser Kletterschuh gibt definitiv nach, wie groß der Dehnungseffekt ist, hängt ganz stark von der Größenwahl und von eigener Fußschweiß Produktion ab. Da ich persönlich recht wenig schwitze weiten sich meine Kletterschuhe kaum aus.

Die Vorspannung ist schon enorm… druck auch

Da ich den Vapor V in der 41 EU als Minimalgröße empfunden hatte und ihn durch die Nutzung kaum größer bekommen habe, entschloss ich mich beim Vapor für 41,5 EU. Am Anfang passt der Schnürrer wie angegossen. Nach nun fast 3 Monaten empfinde ich ihn schon fast als zu groß für Projekte und schwere Boulder. Denke dennoch, dass 41 EU für den alltäglichen Gebrauch zu eng wäre. Da ich den steifen Vapor im Voraus als Alpin Kletterschuh vorgesehen habe, bin ich mit der Größenwahl dennoch voll zufrieden.

Performance – wie klettert sich der Scarpa Vapor

Frontal mit der Spitze steht am besten!

Das Treten mit dem Vapor geht Hand in Hand mit seinem out of the box Komfort. So bequem er von der ersten Minute an ist, so präzise und sauber lässt es sich mit im Spitz antreten. Für einen Kletterschuh der nicht als High-Performance Waffe entwickelt wurde, ist er wirklich sehr präzise und dabei natürlich. Sprich man muss nicht lernen mit ihm die Tritte zu treffen. Durch die steife und inflexible Sohle hält sich die Rückmeldung vom Tritt sehr in Grenzen. Man merkt schon deutlich, ob man da einen Zacken oder eine scharfe Kante vom Tritt unter dem Zeh hat, mehr ist aber auch nicht drin. Ich finde es ausreichend, denn man hat einfach ein sicheres und gutes Gefühl wenn man in einer Platte sein ganzes Gewicht auf einen miesen Tritt schiebt. Dabei merkt man auch ganz deutlich wie die Arme plötzlich Entlastung bekommen, weil

Selbst mit ganzem Gewicht kriegt man die Sohle am Anfang noch nicht durchgebogen

man sich im Kopf richtig traut das Gewicht von diesen zu nehmen. So soll es sein – gut gemacht Heinz! Die Paradedisziplin des Vapor ist ganz klar das frontale Antreten in Platten und bei Wandklettereien. Sobald man mit dem Fuß ziehen muss ist die Leistung zwar noch völlig ausreichend aber bei weitem nicht so glanzvoll. Auch das Treten und Steigen mit dem Außen- und Innenrist ist weniger „geil“, als die Spitze. Es hat sicher mit dem Bi-Tension zu tun, welches die Kraft optimal in die Spitze bringt und alle anderen Bereiche eben weniger optimal anfüllen lässt. Es ist nicht so, dass man mit der Außen- und Innenkante nicht treten kann. Man kann es wohl, aber dieses unglaublich bombensicheres Gefühl, wie es die Spitze vermittelt ist leider nicht da. Durch die harte Sohle und kantensteife XS-Edge Gummimischung fällt es nach meinem Gefühl weniger ins Gewicht als beim weicherem Vapor V. Man merkt es auch nur am Fels in problematischen Trittsituationen am Plastik kann ich auf diesem hohen Niveau nicht meckern. Die Reibungseigenschaften des Gummis sind ok. Ich bilde mir ein, dass das alte XSGrip besser war. Die Kantenstabilität ist zwar wirklich enorm, es bringt aber auf imaginären Felstritten wenig Punkte.

geht nicht nur auf riesigen Hooks wie hier, gut!

Das Hooken ist sehr fein und funktioniert prima. Die Mischung zwischen stabilen, unterstützenden Ferse und etwas Gefühl ist gut gelungen. Das Legen, Belasten und Fühlen ist in großen und ganzen ähnlich wie bei der Miura Ferse und somit spitzenmäßig. Ist halt eine klassische Ferse ohne viel Schnick-Schnack mit guten alten Qualitäten und Werten. Kann man echt nicht meckern, zumal man durch die Schnürung beim Hooken 100% Kraft auf die Fläche bringen kann, ohne sich Gedanken um das sich Ausziehen des Schuh´s zu machen. Klar ist auch das sehr harte und difizite Hooks beim Bouldern mit „Spezialisten“ (Boulderschuhen) besser möglich sind, bis jetzt hatte ich jedoch draußen sowohl mit dem Vapor, als auch mit seinem Velcro Bruder keine Probleme.

Das Toe-Hooken ist dagegen nicht der Rede wert. Zwar ermöglicht die flache Zehenbox

keine Zehenboxgummierung keine gescheide Toe-Hooks

ein gutes Anheben der Zehen, da Lorica aber bei weder so abriebfest noch so „reibungsstark“ ist wie das Leder (Leder ist ja auch kein Gummi…) ist die Performance in diesem Bereich nicht überragend. Da die flache Zehenbox deutlich besser beim versenken in Risse ist, habe ich das auch getestet. Es geht gut und die stabile Konstruktion bietet den Zehen ganz guten Schutz kommt aber an ein Mythos oder ein TC Pro von La Sportiva im Bereich Fußklemmer nicht ran.

Alles in einem ist Performance gut bis sehr gut. Die präzise und kraftvolle Spitze verleitet förmlich dazu nur sie zu nutzen, so dass ich selbst mein geliebtes Hooken beim Klettern mit dem Vapor unbewusst reduziert habe. Man hat es an manchen Stellen einfach nicht nötig, da man manche Tritte automatisch durch das „Wegstehen“ löst. Komisch ist aber so.

Haltbarkeit

Das leidige Thema mit Haltbarkeit… Alle von mir benutzten Vapor Modelle neigen dazu das Gummi an der Spitze schnell zu verlieren.

Der Allrounder ganz nah und noch fast neu…

Ich schreibe es dem häufigeren Gebrauch dieser zu, da ich zumindest seltener auf die Innenkante bei diesen Schuhen ausweiche, sondern immer auf die Spitze steige. Da ändert beim Vapor auch XS-Edge nichts an dieser Tatsache. Heißt bei guter Technik hält der Vapor so 8 Monate, wenn man ihn nicht allzu oft am Plastik quält. Wiederbesohlung ist kein Thema, da die Konstruktion sehr solide ist. Einzig kleine Ablösungen am Randgummi im Bereich der großen Zehe sind möglich. Da die Zehenbox nicht so abriebfest ist, wie der Rest des Schaftes könnte das für Elbsandstein Freunde und leidenschaftliche Toe-Hooker zum Problem werden. Klettert man „normal“ am Kalk dürfte Vapor auch die erste Wiederbesohlung unproblematisch überstehen. Die Ferse hat sich bei mir bis jetzt nicht abgelöst. Ich weiß nicht ob es an dem verringerten Hooken oder einem guten Kleber liegt. Sicher kriegt man auch diese Ferse, wie auch die Miura Ferse kaputt, die die Konstruktion hat nur mal die Schwachstelle. Aber bei mir bis jetzt wie gesagt nicht eine Spur davon, obwohl ich schon einiges weggezogen habe mit dem Schuh. Alles in einem ist Haltbarkeit sehr in Ordnung. Vapor ist zwar nicht unkapputbar aber langlebig.

 Empfehlung/Einsatzbereich/Klettergebiet

Dieser Kletterschuh ist Allrounder– Fakt. Wer Miura Lace mochte aber Probleme mit seiner engen Passform hatte, sollte den hier

Senkrecht oder leicht überhängend auf kleinen Leisten – da geht er voll ab!

probieren. Ich nutze ihn zu allen Anlässen: Bouldern, Routen, MSL und das am Plastik wie am Fels. Für Sandstein ist die Gummimischung für Reibungssachen am Limit etwas zu hart. Alles andere geht mit dem Vapor Super gut. Ganz kleine Löcher sind mit der Runden Spitze zwar auch möglich, Leisten gehen aber merklich besser. Problematische, imaginäre Tritte sind auch ok, wären mit weicherem Gummi aber auch besser zu stehen. Für MSL muss man wissen, dass die Ferse auf Dauer echt drückt und an jedem Stand vom Fuss muss. Ansonsten ist es ein super Mehrseillängen Schuh, da er die Füsse langfristig unterstützt und auch schwierige Passagen locker meistert. Als einen reinen Boulderschuh oder einen Kletterschuh für ausschliesslich überhängende Sachen, würde ich Vapor nicht einsetzen, da gibt es geeignetere Modelle. Als einen Schuh für alles und vor allem für den Fels dagegen auf jeden Fall.

 Fazit

Hat man breite Füße, schwere Knochen und ist in Harz und

Gemütlich, stark und nicht überteuert!

Alpenvorland unterwegs kommt man an diesem Kletterschuhmodell nicht vorbei. Für den Preis ist Vapor genau so wie seine Geschwister eine absolute Empfehlung. Die Kombination aus Performance und Komfort die man mit diesem Kletterschuh bekommt ist so gut, dass man als Anfänger in seiner Kletterentwicklung bis zum 9- nur ein Paar Schuh braucht. Leider nicht von Haltbarkeit aber vom Potential allemal. Mit einigen Veränderungen wie dem zusätzlichen Abschlussloch der Schnürung, Bi-Tension im Innen- und Außenkantenbereich  oder der weniger aggressiveren Fersenvorspannung wäre Vapor noch ausgereifter und wirklich unschlagbar.

Weitere Informationen:

Testbericht Vapor engl. [vimeo 43116492]