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Kletterschuhtest

Scarpa

Vapor S

DauertestÜber Monate geklettert, mit Urteil zu Haltbarkeit

Scarpa Vapor S

2.083 Wörter

Kletterschuhe Scarpa Vapor S im Dauertest

„Kobra“ für breitere Füße

Die Vorgeschichte

_Schlicht und einfach grün!

Die beiden Slipper (Vapor S und Instinct S) aus der 2010 erschienen Modellpalette von Scarpa waren die einzigen Schuhe, die mich optisch sofort angesprochen haben. Als ich Vapor V ausprobierte, fühlte ich mich in meiner Annahme bestätigt, dass die Slipper Variante etwas für mich wäre.

Monate später stand ich in einem gut sortierten Kletterschuhladen und hielt Vapor S in der Hand. Was soll ich sagen, Scarpa hat es mal wieder geschafft mich zu beeindrucken.

Optik, Verarbeitung

Die zwar recht simple Optik begeisterte mich sofort, ich mochte diesen Slipper bereits von Bildern aus dem Internet. Und meine Erwartung wurde nicht enttäuscht, als ich diesen Scarpa Slipper in den Händen hielt. Das helle Grün mit Orangen Nähten wirkt wirklich ausgeglichen und lässt den Schuh „gemütlich“ aussehen, ohne langweilig rüberzukommen. Ansonsten sieht Scarpa Vapor S ziemlich traditionell aus: keine wilden Gummierungen, keine krasse Bananenform, kein starker Downturn. Für mich ist dieser Kletterschuh der Beweis, dass weniger oft mehr ist.

So sieht ein unauffälliger Sieger aus… weniger ist mehr! man beachte die durchgehende Schlaufe..!

Die Verarbeitung ist tadellos. Es ist erfreulich, dass Scarpa den hohen **Qualitätsstandard **hält und weiterhin verlässliche Kletterschuhe rausbringt. Da weiß man, was man hat, wenn man irgendwo online auf den Button „Bestellen“ drückt. Die Detail Bilder sprechen dabei für sich denke ich, sodass ich auf die gewohnten Lobeshymnen über Verklebungen, Nähte und Kantenschliff verzichten kann.

Die Verarbeitung ist das Beste was man zur Zeit bekommt (imho)

Konstruktion

Wie bereits angedeutet wurde, bietet Vapor S äußerlich nichts, was es bis dato nicht gab. Die Konstruktion ist weitgehend traditionell: Leder als Obermaterial (!), leichte Asymmetrie, durchgehende Sohle, mit klassischen Fersengummierung und fehlendem Toe-Hook-Patch.

Das Einzige was den Vapor S von einem klassischen Slipper a´ la Kobra unterscheidet ist ein ganz leichter Downturn, der aus einer Wölbung unter den Zehen resultiert. Gekonnt verbindet Scarpa hier das bereits Bewährte (durchgehende Sohle) mit den Features der Steep-Line (** TPS**: Toe Power Support).

Der Leisten wirkt auf den ersten Blick identisch zum Vapor V, aber es täuscht.

Sieht bananiger aus, als er ist. Passform ist formbar.

Dieser Slipper ist der Kobra für breitere Füße, mit allen Konsequenzen für mich. So gut Kobra auch ist, so sehr ist der schmale und stark an der ägyptischen Zehenform orientierter Leisten ein Feind meiner breiten, quadratischen Füße. Anders als bei Kobra bietet Vapor S mehr „Raum“ aber er fällt trotzdem sehr steil vom großen zum kleinsten Zeh ab und verlangt in meinem Fall eine kurze Einkletterzeit. Das weiche und extrem geschmeidige Obermaterial aus Leder macht diese Anpassung erst möglich. Obwohl Scarpa die Zehenbox ihrer Kletterschuhe ganz gerne aus dehnungsresistentem Lorica, finde ich Leder immer noch besser, da es abriebfester und einfach angenehmer für die Füße ist.

Die Sohle aus XS Grip2 von Vibram ist anfangs recht steif aber deutlich weicher als beim großen Bruder, dem Vapor V. Die Sohlendicke von ca. 3,5-4mm finde ich vernünftig, denn sie bietet einen guten Kompromiss zwischen Haltbarkeit und Sensibilität. Alles in einem ist die Mischung aus Alt und Neu in diesem modernen Slipper gut gelungen.

Passform und Größe

Am Fuß passt sich Vapor S um Welten schneller an als der Python

Das Entscheidende an der Passform des Vapor S ist die Möglichkeit, diese mit etwas Schweiß, Druck (und evtl. Tränen) verändern zu können. Der wichtigste Aspekt ist hierbei das Obermaterial aus Leder. Das Leder gibt nach und ermöglicht somit vielen Fußformen die besten Passformergebnisse zu erzielen. Natürlich hat diese „Dehnbarkeit“ auch Grenzen und diese hängen von der gewählten Größe ab. Wie ich bereits schrieb, halte ich die Grundpassform von Vapor S für eine breitere Variante des La Sportiva Kobra. Ich habe beim Vapor S nämlich genau das gleiche Problem wie beim Kobra: Die kleinen Zehen werden stark abgequetscht. Der große Onkel wird aber etwas stärker „** zurückgedrängt**“ als beim La Sportiva Klassiker, was bei meinem nicht ganz so langem Zeh ein echter Vorteil ist.

Bereits nach kurzer Zeit sind die Zehenkammern drin und sorgen für perfekte Passsform

Im Laden habe ich die 41 anprobiert und fand sie zwar unangenehm an den kleinen Zehen und etwas zu luftig in der Ferse aber für mich nicht ganz so schlimm wie den Kobra. Die Größe 40,5 war unmöglich – sie verursachte zu extreme Druckschmerzen. Da ich einen gemütlichen Slipper für das Training am Plastik suchte, entschied ich mich dann doch für 41,5 EU. Obwohl ich die Dehnung des Leders beachtete, glaubte ich mit dieser Größe dennoch Spaß zu haben und den Schuh später als Alpintreter zu benutzen.

Ein Mensch mit einem breiteren ägyptischen Fuß und etwas kürzeren kleinen Zehen werden bei diesem Slipper wirklich glücklich und können ihn sicher eine halbe Größe kleiner tragen, als ich. Die schmalfüßigen Kletterer werden mit der etwas breiten Passform etwas Probleme haben, da der Schuh schon etwas Fußvolumen fordert.

Das ist die einzige Stelle, welche sich sehr rasch „unangenehm“ geweitet hat.

Das Eintragen hat in meinem Fall eine Bouldersession gedauert. Bereits nach den ersten Bouldern bildeten sich Ausbuchtungen im Leder, wo die kleinen Zehen perfekt Platz fanden. Das ungefütterte Leder gab schnell nach und hält bis jetzt ganz gut die Form. Natürlich sitzt Vapor S in dieser 0,5 EU über meine Minimum-Variante nicht ganz so straff, aber für das Training reicht es mir alle mal. Da freue ich mich mehr über den tollen Komfort, als über mich über Performance Einbußen zu ärgern. Bei kleineren Größenwahl könnte es natürlich etwas länger dauern, bis man das Material verformt hat.

Performance – wie klettert sich der Scarpa Vapor S

Von Beginn an fühlte sich Vapor S ähnlich wie Vapor V. Die Sohle ist im Bereich der Zehengrundgelenke weicher, die Spitze ist jedoch steif genug um auch auf kleinem Zeug in der Senkrechten mühelos guten Halt zu finden. Nach drei Wochen wurde die Sohle noch weicher, blieb jedoch härter als die von Speedster oder Python. Die oft durch die steifere Sohle leidende Sensibilität ist bei diesem Kletterschuh von Beginn an gut ausgeprägt und erfreut den Nutzer bereits beim ersten Wandkontakt. Ebenso gut ist die Präzision beim Treffen der kleinen Tritte. Der leichte

Im Bereich des Knicks ist er eher weicher und lässt sich so super auf Reibung pressen

Downturn, erleichtert von Beginn an das Ziehen und Saugen an den Tritten, was ich persönlich super finde. Die nicht zu knappe Vorspannung der Ferse leistet seinen üblichen Beitrag zum Kraftaufbau von hinten nach vorne und die Druckübertragung auf den Punkt. Die TPS-Wölbung unter den Zehen finde ich seit ihrer Einführung bei Scarpa schlicht und einfach genial – mittlerweile ist sie für mich unverzichtbar geworden auch wenn sie, wie hier bei Vapor S nur minimal ausgeprägt ist. Das Sling–** Shot** System ist ebenfalls genial. Kurz um: Seit Stix hatte ich keinen Kletterschuh der so gut frontal mit der Spitze wirkte wie die ganze Vapor Familie. Seitdem ich den Slipper habe, nehme ich ihn für alles! Egal ob ein Plattenboulder mit Mini Tritten oder eine speckige senkrechte Kocheltour, Vapor S brachte mich immer sicher und komfortabel zum Top. Eine Schwäche haben die Vapor Familie und die Sling-Shot Sache leider. Sowohl auf der Innenkante als auch auf der Außenkante steht sich nicht so gut wie auf der Super-Spitze. Sobald man auf etwas Anspruchsvolleres mit den besagten Bereichen steigt, wird mir etwas unwohl und so suche ich unbewusst wieder die Spitze. Beim Piazen geht das halt schlecht, also muss man mit dem etwas weniger bombenfesten Gefühl leben/klettern. Alles in einem ist Treten anfangs allroundtauglich und wird dann „überhang-stärker“ und plattenschwächer, aber dass ist ja immer ne Frage der Zehenkraft …

Sowohl beim Toe-Hooken als auch beim Hooken ist Vapor S durchschnittlich und für einen Boulderschuh enttäuschend…

Hooken ist hängt bei diesem Slipper sehr stark von der Größenwahl ab. Wählt man ihn sehr eng, dann ist die Hookerei ganz ok. In meinem Fall von 41,5 EU ist das Hooken nicht überzeugend. Am Anfang zog ich mir regelmäßig die Ferse von der Haake. Nun achte ich stärker drauf den Druck zu halten und entscheide mich immer öfter mit den Zehen zu ziehen, statt wie üblich zu hooken. Ich denke es liegt an der nicht ganz so engen Größe. Trotzdem finde ich die Ferse und Einstiegsbereich nicht optimal gelöst. Ein einzelner Velcro ist nach wie vor mein persönlicher Favorit bei Slippern. Die Gefahr der Gummiablösung an der Ferse besteht beim Vapor S wie bei allen Schuhen mit dieser Fersenkonstruktion. Bis jetzt habe ich jedoch keine Ablösung zu vermelden, was sicher an weniger Hooken liegt…

Die Toe–** Hooks** sind ok. Da die Zehen je nach Größe ordentlich aufgestellt sind fällt es anfangs etwas schwer irgendwelche Hooks zu umklammern, das ganze wird mit der Zeit und der Dehnung des Leders besser, aber an die Leistungen eines Speedsters oder Solution kommt Vapor S mangels eines vernünftigen Toe-Hook Patches nicht ran. Die gut gemeinte Gummierung über den großen Zeh kann da leider auch keine Abhilfe verschaffen. Man kriegt den Toe-Hook in eingeklettertem Zustand zwar gut gelegt und gehalten, aber sowohl richtig Belastung drauf kommt, ist Leder in Sachen Reibung nicht optimal.

Haltbarkeit

Ein Ausleiern kann ich zwar nicht feststellen aber ein Weiten muss eingerechnet werden!

Dieser Punkt spricht deutlich für den Vapor S als einen Trainingsschuh, denn dieser Lederschuh ist Dank Leder richtig langlebig. Das Obermaterial verschleißt weniger als Lorica. Ich habe jedenfalls keine Löcher über den Zehengelenken zu verzeichnen. Die XS-Grip2 Sohle ist ganz in Ordnung. Die Spitze wird eben schnell dünner und das obwohl ich an einer unbesandeten Wand trainiere. Das ganz natürlich daran liegen, dass ich die Spitze dank ihrer hervorragenden Eigenschaften einfach öfter und intensiver nutze als bei anderen Kletterschuhen. Die Gummibänder am Rist leiern nicht aus und bieten langfristig einen festen, straffen Sitz des Schuhs am Fuß. Einzig der Leder Rand zwischen Ferse und Spann dehnt sich so ungünstig, das ein Ausziehen immer einfacher wird. Wie schon geschrieben: ein Velcro würde das Problem insgesamt beheben. Alles in einem habe ich in dieser Kategorie nichts zu meckern. Die Haltbarkeit ist der spitzenmäßigen Qualität der Verarbeitung entsprechend – sehr in Ordnung.

Empfehlung/Einsatzbereich/Klettergebiet

Diese Spitze ist schlicht und einfach der Hammer – überall!

Dieser Kletterschuh eignet sich natürlich für alles – wie es auch jeder anderer Kletterschuh tut, weil das persönliche Können letztendlich entscheidend ist. Anfangs habe ich in diesem Kletterschuh nur ein bequemen Trainingsbegleiter gesehen, doch nach dem ich am Fels einige OnSight´s am persönlichen Limit mit diesem Slipper meistern konnte, habe ich ihn so richtig lieb gewonnen. Nach dem Eintragen ist er so bequem, dass ich ihn stundenlang anlassen kann. Selbst die Ferse, welche bei Vapor´s ziemlich auf die Achillessehne drückt, ist bei meiner 41,5 EU nicht so schlimm. Insgesamt ist dieser Kletterschuh soweit, um in die alpine Routen überführt zu werden. Nach meinen gemachten Erfahrungen kann ich diesen Slipper abschliessend durchaus als Allrounder bezeichnen

Fazit

Mehr Leistung für den Preis geht kaum!

Scarpa Vapor S hat all das, was ein ordentlicher Trainingsschuh haben soll. Er ist bequem und lässt sich dank Leder an eigenen Fuß anpassen (Einklettern!), er kann befriedigend Hooken und steht im Überhang alles sauber weg. Er hat die beste Spitze unter den Kletterschuhen seiner Preisklasse. Reibungswerte der Sohle sind top und machen ihn auch in Platten unschlagbar. Und das Wichtigste neben der guten Haltbarkeit ist der recht niedrige Preis im Internet von ca. 80 €.

Was will man mehr, um im Winter am Plastik ordentlich Gas zu geben? Scarpa Vapor S schliesst die Lücke für alle Kletterer, die den Kobra als zu schmal empfanden, in dem er breiteren Leisten und leichten Downturn mit den „klassischen Tugenden“ eines Leder Schuhs vervollständigt. Einzig die Hookeigenschaften sind ein Wermutstropfen bei diesem sonst super gelungenen und empfehlenswerten Kletterschuh.

Update 08_2012:

Ein Loch im Leder – noch nie gehabt

Vapor S hat leider nicht so lange gehalten, wie ich dachte. XSGrip 2 verschleißt irgendwie ein ganzes Stück schneller als das alte XSGrip. Ich weiß nicht, ob es an der ultrastarken Spitze liegt – man neigt mehr mit der Spitze zu stehen als mit andere teilen der Sohle.

Kein Gummi mehr da. Spätestens jetzt zum Besohlen

Jedenfalls haben die Vapor S kein ganzes Jahr gehalten. Schade. Auch das Obermaterial hat über Nacht im Rucksack ein Loch bekommen. War wohl eine Expresse? Ist mir mit anderen Lederschuhen noch nie passiert. Schade! Würde trotzdem zum Trainieren wieder kaufen.

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Weitere Informationen:
Größenvergleich der Kletterschuhmodelle
Testbericht Five Ten Moccasym

Testbericht La Sportiva Speedster

[

](https://kletterschuhtest.wordpress.com/dauertest/la-sportiva/la-sportiva-speedster/)

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_ Die härtere Version ist hier beleuchtet – Video Test_

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